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Mittwoch, 15. Dezember 2010

cairns

ein sehr langer, teilweise nachdenklicher, zusammenfassender und bildreicher beitrag...

nachdem ich cairns nun verlassen habe und mich auf dem weg nach süden befinde, wäre es an der zeit, mal ein paar worte über diese stadt zu schreiben...

als ich ankam und im asylum eingecheckt habe, hat man mir eine karte der stadt in die hand gedrückt, auf der klar zu sehen war, dass das rechteckige stadtzentrum kleiner als kirn ist (schwer zu glauben, aber wahr...)...man ist innerhalb von 20 minuten die lange seite abgelaufen... die kurze seite ein wenig schneller sogar noch...als ich dann glücklicherweise direkt meinen job gefunden hatte, stellte ich schnell fest, dass die stadt sich bis weit in die berge und die täler der tropen erstreckt und insgesamt wohnen fast 100000 menschen in cairns...und so blieb ich dann vier wochen in cairns und das verdiente geld kann ich gut gebrauchen...und wie sooft im leben, sind die dinge, von denen man es nicht im geringsten erwartet, mit die besten... ich vermisse jetzt schon die geselligen abende vorm asylum und die teilweise sinnlosen nachmittagsaktivitäten wie "wasserballonschlacht", "zombiequiz", "poolvolleyball" uvm...und vor allem viele der leute, die ich dort kennengelernt habe...dazu später mehr...

falls ich nun einige infos wiederholt schreiben sollte, tut mir das schonmal aufrichtig leid, aber ich versuche alles so gut wie es geht zusammenzufassen...

cairns selbst hat keinen richtigen strand, der wurde zu gunsten des hafens plattgemacht und außerdem gibt es krokodile in der bucht...im folgenden mal der sumpf, der an vielen stellen an die "esplanade" grenzt... ein langer steg auf dem man die küste entlanglaufen kann...


so sieht es aus, wenn kein steg am ufer ist... wie gesagt, genutzt wird dieser abschnitt nicht, ein bild weiter sieht man warum...



und dort wo jetzt dieses gebäude steht, war früher mal der badestrand mit krokodilabwehr... jetzt liegen dort die schiffe der reichen und schönen sowie die fähren für das great barrier reef...

  
wenn man dennoch schwimmen will in cairns, so geht man in die lagune, ein künstlich angelegter salzwasserpool der einen kleinen sandstrand hat und dann in eine art normales schwimmbad übergeht... offiziell geschlossen ist es ab 21:00, dann ziehen die rettungsschwimmer ab, aber das hält viele nicht davon ab, auch nachts dort zu baden...

  


neben der lagune befindet sich auch der offizielle weihnachtsbaum von cairns... ein anblick der für mich nach wie vor gewöhnungsbedürftig ist und es auch mit sicherheit bleiben wird: ein weihnachtsbaum am strand... heute ist der 15.12.2010 und ich bin alles andere als in weihnachtsstimmung...


nachts wird entlang der esplanade und der lagune das licht angeknipst und die gegend lädt zum spazieren und flanieren ein...



und auch nach mehrmaligen durchschauen meiner bilder von cairns stelle ich fest, dass ich das stadtzentrum fast vollständig vernachlässigt habe...ok, so besonders sehenswert war es nicht...


hier noch ein bild des open air theaters... allerdings wurde nie etwas aufgeführt, der komplette dezember war ohne irgendwelche aktionen... nur die aboriginies haben nachts rumgelungert...

was mich gleich zum nächsten thema bringt: die australischen ureinwohner gehören eindeutig zu den verlierern des landes... von den einwanderern um ihr land gebracht, heimat- und identitätslos, dem alkohol und dem klebstoff verfallen, somit keine chance auf bildung und in allen grünflächen der stadt liegen sie herum sobald die dämmerung hereinbricht... meist betteln sie oder hauen die vorbeigehenden personen um zigaretten oder alkohol an... durch den alkohol werden sie aggressiv... mich haben sie zum glück in ruhe gelassen...die polizei patroulliert des nachts in der ganzen stadt zu fuß und per streifenwagen um das ganze ein wenig in schach zu halten...nur ganz wenige schaffen es, diesem teufelskreis zu entkommen und führen ein normales leben... wieder andere arbeiten als "schauspieler" (möchte ich fast mal sagen) an orten, die ihrer ursprünglichen kultur heilig sind... beispielsweise am ayers rock... dem allseits bekannten monolith im herzen australiens...dort zeigen sie dann den touristen, wie man früher so gelebt hat und was die kultur der australischen ureinwoher so beinhaltet... dann gibts noch ein erinnerungsfoto mit dem herzkranzgefäßverfetteten us-amerikanischen pärchen, danach darf die meute dann das heiligtum im wahrsten sinne des wortes mit füßen treten und ein wenig auf heiligem boden rumrennen...danach gehts weiter...die wenigsten die dort hinfahren, interessieren sich für die wahre geschichte...

ich war nie dort und das eben beschriebene szenario wurde mir von einigen reisenden berichtet, die ich getroffen habe...und das sowie die tatsache, dass ayers rock (oder uluru) in meinen augen nur ein großer fels ist, sind die gründe warum ich diese sehenswürdigkeit auslassen werde...

einige ähnliche stories bzgl der aktuellen situation und geschichte der aboriginies habe ich in canberra im museum für australische geschichte gelesen... nach zwei stunden lesen war ich richtig wütend...man hat aboriginies teilweise wie tiere gehalten...aber das gehört jetzt hier nicht zu cairns und meinem abschiedsbericht...

zurück zu angenehmeren themen: ich habe öfters mal namen meiner mitbewohner ins spiel gebracht aber bisher nie oder selten bilder gezeigt... hier nun ein kleiner überblick über leute, mit denen ich es aushalten konnte und die es auch mit mir aushalten konnten... (glaub ich zumindest... ;-) ) und natürlich auch als beweis, dass ich nicht den ganzen monat alleine in meinem zimmer verbracht habe ;-) ... viele kamen und gingen... aber diese problematik hatte ich ja bereits beschrieben...


lucy aus schottland, sam mein ehemaliger arbeitskollege und zimmergenosse aus schweden und cara aus den usa...


duffy aus england und simon aus der schweiz, ebenfalls ein zimmergenosse von mir...


mark aus australien, sam hier mal nachdem wir ihn mit edding bearbeitet hatten und simon aus schweden, ebenfalls mein ehemaliger arbeitskollege und zimmergenosse...


julie aus schottland und cara aus den usa mal wieder...(ja, das foto MUSS ich hier zeigen ;-) ) 


reisekumpel sandro aus deutschland und wieder julie...


kurzer einschub: in der bar hat es mir an dem abend besonders gut gefallen...und das lag NICHT am bier ;-)


 natürlich nicht zu vergessen: sophia, sandro und lena... 


estelle aus frankreich und ein komischer wrestler, der mein tshirt geklaut hatte...

da ich aus diversen kommentaren herauslese, dass viele leser scheinbar gefallen an skandinavien und finnland gefunden haben, hier noch zwei bilder:


die dame rechts außen ist aus dänemark, die dame links außen aus norwegen, direkt neben mir sind tanja und senja aus finnland... danke an meinen kumpel mark aus mainz, mit den sätzen "minä oläi saksalainnen" "kolme oulut, kiitos" sowie "kippis" konnte ich hier sehr viele sympathiepunkte sammeln ;-)  (keine garantie auf korrekte finnische orthopraphie...)

der junge mann mit dem lasziven blick auf dem folgenden foto rechts ist hendrik aus schweden :-) wir saßen oft abends vorm hostel und haben philosophiert...


 aber auch im reich der tiere hab ich mir freunde gemacht: percy der python:




 und zu guter letzt noch ein paar deutsche: vorne aus dem bild tanzt gerade lena aus dem foto...


und dann wären da noch leo die ich leider erst am letzten abend richtig kennengelernt habe und lea, die jeden morgen zuverlässig mein zimmer geputzt hat :-) danke an dieser stelle

 
und mir fällt grad noch ein, es gibt noch ein paar bilder die ich nachreichen wollte:

ich sag nur "runde ecken" sowie das gesamtergebnis der großbaustelle und den innenraum von carls auto... (ich werde das foto als universalantwort auf jegliche anspielungen des sauberkeitszustandes jeglicher mit mir assoziierter gegenstände einsetzen...)






 
das war es -fast- aus cairns... es fehlen noch ein kleiner reisebericht über meinen ausflug in ein kleines hippiestädtchen tief im dschungel und ein kurzer bericht über meinen tauchausflug...
ich sage schonmal (auch wenn es von den oben gezeigten personen keiner je lesen wird...) vielen dank an alle, die in den letzten vier wochen mit mir gereist sind, gegessen, gelebt, gelacht, gefeiert, getrunken und getanzt haben... goodbye cairns! goodbye asylum! ich werde die zeit sicherlich nie vergessen...

Sonntag, 5. Dezember 2010

anspruchsreduktion

wenn man in einem hostel wie dem asylum wohnt oder besser gesagt "lebt", sollte man seine hygienischen anforderungen auf ein minimum zurückfahren...man isst hier von geschirr, das
bestenfalls halbherzig gespült wurde und schläft auf matratzen die ihre besten jahre schon hinter sich haben... auf dem boden hier im zimmer habe ich vier verschiedene fliesenmuster gezählt... es wird meist nur notdürftig ausgebessert... man hat eine tasche im großen gemeinschaftskühlschrank, in der man sein essen aufbewahren muss, viel platz ist dort nicht...man teilt sich eine toilette und ein paar duschen mit vielen anderen...zum glück wird relativ regelmäßig geputzt... richtige fenster wie man sie normaleweise kennt, gibt es hier auch nicht...
 
  
 

zum thema "notdürftig ausgebessert": das gelbe war mal teil einer werbebande... richtig schließen kann man diese jalousien auch nicht, die logische folge davon: man schläft prinzipiell immer bei offenem fenster...was zur folge hat, dass stechmücken natürlich auch ungehindert zutritt zu allen räumen haben...gott sei dank sind die aber hier nicht so häufig wie auf fiji...
direkt vor diesem fenster befinden sich die warmwassergeneratoren und das pumpsystem für das komplette hostel...


erstere wären hier eigentlich überflüssig, denn das leitungswasser heizt sich auch meist auf außentemperatur auf... die pumpen dröhnen ziemlich laut, so dass ich in der ersten nacht dachte ich schlafe auf der landebahn vom flughafen...trotz ohrstöpsel...

was auch gleich eine nette überleitung ist, denn hier werden alle vier bis fünf tage die anflugrouten geändert... mal fliegen die maschinen von norden und mal von süden an...letztere variante hat zur folge dass alle landeanflüge direkt über dem hostel sind, man kann den passagieren schon fast winken und wird dann auch von früh bis spät zugedröhnt...


unsere spekulativen diskussionen führten zu zwei möglichen gründen: 1. windverhältnisse und 2. vielleicht möchte man, dass nicht ein stadtteil andauernd wegen dem fluglärm angepisst ist und wechselt deshalb...


es gibt auch einen fernseh"saal"... eigentlich war es mal die garage im hof...dort wurde ein fernseher reingestellt, welcher früher einmal auf dem flughafen die ankommenden und abfliegenden flugzeuge angezeigt hat, denn egal was man schaut, man kann immernoch "departures", "arrivals", "gate" und "time" lesen, was sich dekorativ am oberen bildschirmrand eingebrannt hat...


hier mal ein foto vom gemütlichen außenbereich mit blick in die gemeinschaftsküche, dort spielt sich morgens und tagsüber meist das kulinarische wie auch gesellige leben ab... an einem sonntag nachmittag herrscht allerdings auch hier gähnende leere...



der grill hat auch schon bessere zeiten erlebt und nur ein trauriger rest erinnert an sicherlich feucht-fröhliche grillabende hier im hostel und oxidiert weiter langsam vor sich hin...


natürlich gibt es auch einen pool in ruhiger lage direkt an der straße...die sonne heizt das wasser morgens ziemlich auf so dass man mittags badewassertemperatur hat und eine abkühlung nicht wirklich möglich ist... hier spielen sich harte wasservolleyballschlachten ab, die manchmal auch schaulustige von jenseits des zauns zu einer kurzen unterbrechung ihres weges bringen...


so sieht der sitzbereich an der vorderseite aus: alte couchen mit neuen decken, ein paar holzbänke und ein nicht wirklich einladendes gitter, welches ab 0:00 verschlossen wird und außenbereich von rezeption trennt... 

dumm wenn dann noch ein persönlicher gegenstand innerhalb der rezeption ist, den man dringend braucht wie bspw sein handy... was man morgens als wecker und generell als verbindung zur weiten welt braucht... dann muss man warten, bis man jeremy (den manager) trifft und diesen muss man dann freundlichst bitten, nochmal aufzuschließen damit man seine sachen wiederbekommt... (und ja genau, mir ist das passiert, mein handy lag noch in der hängematte, diese wurde weggepackt und ich musste bis 1:30 warten, bis ich jeremy gefunden hatte...) 





für freunde der kleinen krabbler: besonders hier in cairns ist die "zuckerameise" weit verbreitet...man wird sie nicht los... man muss mit ihr leben... die krabbeln hier einfach überall...auch in meinem netbook... ich hoffe sehr, dass die viecher nicht versuchen, eine kolonie irgendwo zwischen festplatte und prozessor zu errichten...ich werde mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit die ein oder andere mit nach deutschland bringen...

die bereits erwähnten fledermäuse und / oder flughunde hängen hier abends überall in den palmen und warten auf beute... so kann es durchaus sein, dass man auf seinen wegen hier in kleine häufchen fledermausscheiße treten kann... ein grund warum ich hier im gegensatz zu vielen anderen nicht barfuss rumrenne...

mein leben spielt sich in den kurzen nächten innerhalb der gut 2 kubikmeter im unteren teil des hochbettes ab... ich schlafe zwischen meinen handtüchern und klamotten die hier hängen und auf benutzung warten... am ende des bettes hängen meine nassen arbeitsklamotten zum "trocknen" ... über nacht wird das nie wirklich was...




zusätzlich habe ich noch den schreibtisch okkupiert und da auf dem oberen bett aktuell niemand schläft, liegen dort auch noch sachen von mir...

aktuell teile ich das zimmer mit zwei französischen mädels, die allerdings eher wenig interesse am hostelgemeinschaftsleben haben... sie schlafen lange und arbeiten abends / nachts in einem restaurant... ich habe bisher höchstens fünfzehn minuten mit ihnen geredet... viel öfter haben wir uns alle drei im wachen zustand auch noch nicht gesehen...

im folgenden bild zu sehen: der ventilator der das heiße klima ein wenig erträglicher macht... ich habe direkt bekanntschaft mit ihm gemacht: an den ersten drei abenden und morgenden (?) hatte ich beim ausziehen regelmäßig meine hand drin, was zu einem lauten und dumpfen "klonk", der plötzlichen aufmerksamkeit aller im raum sowie kratzern an der hand führte... mittlerweile weiß ich, dass ich mich besser nicht direkt vor dem bett umziehe...



an solchen tagen an denen man einfach nur vor sich hin vegetiert, muss man sich natürlich auch irgendwie beschäftigen... letzte woche abends haben wir eine wasserballonschlacht veranstaltet... 20 minuten ballons füllen, vier minuten spielspaß, 15 minuten ballonreste einsammeln... ob es den aufwand wert war, sei mal dahingestellt, aber es machte trotzdem spaß...

die tage habe ich mir neue sonnencreme gekauft...aus einem restpostenladen...ich hab dummerweise nur auf den preis geschaut und hätte vorher besser mal gelesen was ich eilig erworben habe: "schimmer look mit mikro bronze partikeln - für glänzende sommerbräune" 

...

naja immerhin lichtschutzfaktor 30 und sie scheint zu wirken, ich glitzere und kriege keinen sonnenbrand...was will man(n) mehr?

gestern bin ich mit ein paar leuten am abend noch beachvolleyball spielen gewesen, am strand gibt es mehrere top ausgestattete plätze mit flutlicht, so dass wir bis spät in den abend gespielt haben... wir haben weit weniger spiele gegen die profis verloren, als ich erwartet hatte...das hostelinterne duell der 2er teams hat team deutschland (patrick und ich) für sich entschieden... alles in allem ein sehr sportiver abend, so könnte es immer sein... allerdings scheitert es auch wieder daran, dass die meisten die gestern mit am start waren, kommende woche schon wieder weiterreisen... und nicht jeder hier ist dem sport so zugetan...


faule backpacker... ;-)

Mittwoch, 1. Dezember 2010

arbeits/alltag

oder warum hier täglich das carltier grüßt...

langsam gehöre ich nun in meiner dritten woche im asylum (so heißt das hostel...zu deutsch "anstalt") zum inventar... ich habe coole leute getroffen und leider auch zugesehn, wie sie wieder abgereist sind... ein weiterer nachteil wenn man auf reisen ist... portionierte bekannt- und freundschaften...die kommen teilweise auf grund der begrenzten zur verfügung stehenden zeit schnell zu stande...manche haben mehr tiefgang, andere weniger... meine letzten tage und nächte habe ich mit lucy und julie aus schottland, willis aus wales und sam und simon aus schweden verbracht...eine sehr geile zeit weil wir alle etwa auf einer wellenlänge liegen... heute ist willis nach japan geflogen (nachdem er mir eine stunde davon erzählt hat, würde ich auch dort mal hinreisen...vor allem weil man dort für 350$ für 21 tage unbegrenzt oft mit dem zug reisen kann ;-) ), die schweden und julie reisen morgen gen süden... man muss sich an andauernde abschiede gewöhnen... es wird zeit sich weitere temporäre freunde zu suchen...im grunde ganz einfach...willis bspw erzählte mir, dass er so dermaßen glücklich darüber war, dass sam und ich uns einfach zu ihm gesetzt haben, als er neu hier war und mit ihm geredet hatten....er würde uns jetzt schon vermissen...

ich habe seit meiner ankunft mit einer ausnahme (cape tribulation trip) nur cairns gesehen...bzw dieselben gassen jeden tag...ein paar gärten und vororte dank des jobs... und die vororte sind an suburbaner uniformität kaum zu überbieten...jeder, wirklich jeder, hat einen bungalow mit kleiner rasenfläche vor dem haus, einer doppelgarage nebendran, einen pool hinter dem haus und ein paar palmen im garten...das wars...und ich werde von tag zu tag unruhiger weil ich gerne weiterreisen würde...andererseits nehme ich jetzt noch die paar tage arbeit mit... davon lässt sich der ein oder andere ausflug auf meinem weg nach süden bezahlen...


zum thema alltag:

ein "normaler" tag beginnt um 0:00 wenn ich mit den oben genannten personen vorm hostel auf den couchen sitze und ein verspätetes feierabendbier trinke oder in einer bar sitze...sam und ich nehmen uns jeden abend vor, dieses mal früher schlafen zu gehn...doch gegen ein uhr werfen wir meist den plan über den haufen und kommen gegen zwei oder halb drei im hostel an... 6:30 morgens reißt mein handy mich (und alle andern im zimmer evtl auch) gnadenlos aus dem schlaf ...ich verfluche den vorabend und nehme mir wieder vor, am heutigen tag früher schlafen zu gehn...danach gehts ab ins bad zur kultivierten morgentoilette, dann in die küche den verranzten toaster blockieren und dann wieder zurück und die dreckigen und feuchten arbeitsklamotten anziehen...danach ein glas kalte milch und ein glas kalte coke... sam (mittlerweile mein neuer kollege seit zwei wochen) ist dann meist auch schon auf den beinen und kurze zeit später warten wir drauf, dass carl uns abholt...bis 16 oder 17 uhr ca bearbeiten wir australische gärten mit schaufel und schubkarren...damit der zahlende besitzer seine bunten blümchen anpflanzen kann und faul am pool liegen kann... dann gehts wieder "heim" (interessant wie geflügelt dieser ausdruck "heim" wird wenn man unterwegs ist und sein leben in einem rucksack mit sich rumträgt) ... dort angekommen führt mich mein weg direkt wieder zum riesigen kühlschrank... entweder kalte coke oder kalte milch... dann duschen und die anderen fragen, wie deren tag war...danach einfach nur warten...evtl bei einem leckeren knoblauchbrot (ich habe wirklich gefallen daran gefunden...es schmeckt sehr gut...) und dann traditionell die wanderung quer durch central cairns zur bar wo ich mein kostenloses abendessen einnehme...wie jeden abend wird es chilli sein, denn das ist die größte portion...dann ggf noch zum woolworth einkaufen, zurück zum hostel...ausruhen...falls ich es nicht schon voher hatte: ein knoblauchbrot essen... evtl auch nochmal ausgehen...sich vornehmen, dieses mal nicht bis zum ende zu bleiben...(der geneigte leser merkt spätestens hier, dass ich in einer einem teufelskreis ähnelnden schleife gefangen bin...) ...zu späterer stunde den vorsatz über den haufen werfen...gegen halb drei - drei ins bett gehen, kurze zeit später wachwerden...den vorabend verfluchen...und täglich grüßt das murmeltier...oder im falle von sam und mir das "carltier"...

einzige den alltag aufmischende ausnahme der letzten tage: dienstag morgen kommt carl wie immer pünktlich eine viertel stunde zu spät und fragt nur "sascha, bist du fit?" ... obwohl tief in mir eine stimme nach drei stunden schlaf schreit "ich will wieder ins bett!!!", die sonne wie feuer auf meiner haut brennt und sam (welcher ebenfalls um die uhrzeit ins bett ist) mit einem schmunzeln die kleine notlüge entlarvt, bevor ich sie ausspreche, antworte ich mit dem mir nur irgendwie möglichem maximum an überzeugung "yepp, natürlich..." 

carls antwort darauf: "ok, du fährst mich jetzt zurück zu mir, mir ist schlecht, ihr beide arbeitet heute ohne mich..." 

und dann habe ich mich hinters steuer des bereits in diesem eintrag erwähnten wagens gesetzt:


allradantrieb, 145 PS und der innenraum wohl mit abstand der dreckigste auf der ganzen südhalbkugel...der sicherheitsgurt hält nur wenn der wind günstig steht und sämtliche spiegel im auto sind wohl nur der vollständigkeit halber angebrach...viel sehn kann man wenig mit denen...bei gelegenheit mache ich da mal noch ein bild von... das auto fährt sich recht gut... die schaltung hakelt ein wenig und so ist es mir das ein oder andere mal passiert, dass die linke hand den richtigen gang nicht finden wollte und statt dem vierten der zweite gang eingelegt wurde, was der motor mit energischem aufheulen quittierte...gruß ans getriebe an dieser stelle...

unsere aktuelle baustelle ist ein garten 20 km von cairns entfernt... er bestand am anfang nur aus dem pool und jeder menge gerümpel und bauschutt drumherum... nach vier tagen aufräumen, boden einebnen, platten schneiden und legen sieht das ganze wie folgt aus:


es wundert mich wirklich, dass noch keiner in den pool gefallen ist...

nachdem ich mich tags zuvor als brauchbar an der ausgeliehenen säge mit ordentlich bums am antrieb bewiesen hatte, war ich ab diesem zeitpunkt der mann fürs filigrane...


nachdem wir fast alle platten gelegt hatten, war meine aufgabe das schneiden der platten und steine rund um den pool... runde kanten mit solch einem sägeblatt schneiden ist durchaus möglich...aber aufwändig und kraftraubend...

und so stand ich den ganzen tag an der säge und habe kunstvolle platten mit geschwungenen linien produziert...sollte man im lexikon unter "sisyphusarbeit" nachschlagen...ich bin mir fast sicher, dass diese tätigkeit darunter gelistet ist...
(und bevor jetzt zig kommentare wie "öööööh die kante aufm bild is aber eckig" kommen: ja ich weiß, auf dem bild ist noch keine runde kante erkennbar... ein "vorher-bild"... nachher folgt die tage wenn alles fertig ist...)


da der pool nicht wirklich gerade linien vorweisen kann, muss man das ein oder andere mal sanfte gewalt anwenden um platten und steine in die gewünschte position zu bringen... ein handelsüblicher gummihammer erweist sich hierbei als das geeignete instrument... für besonders harte fälle greife ich gerne auf eine mystische waffe zurück...er hat den langen weg von skandinavien bis nach australien auf sich genommen...meine damen und herren: 

THORS HAMMER!!! 


leider war die oben gezeigte säge wie gesagt nur geliehen und wir mussten sie nach zwei tagen wieder zurückgeben...das hatte zur folge dass ich dann mit carls eigener, sehr alter säge arbeiten musste... sie kommt was schnittleistung und stärke angeht nicht annähernd an die neue säge heran... kaum legt man etwas druck an den stein um zeit zu gewinnen, gibt der antiquierte doppelriemenantrieb den geist auf...der kleine rollwagen auf dem der zu schneidende stein optimalerweise leichtgängig richtung sägeblatt bewegt wird, hat nur noch zwei statt vier rädern...klasse was die haftreibung angeht aber suboptimal was die leichtgängigkeit angeht...der boden ist vom rost zerfressen und man kann die wasserzufuhr nicht regeln... also auch wenn es nicht regnet, bin ich nach fünf minuten "batschnass" wie man im heimischen dialekt zu sagen pflegt...das mit rötlichem staub vermischte wasser färbt mein weißes kanada-bier tshirt ins braune... da man hier nur mit außentemperaturähnlichen 30°C waschen kann, kommt es unverändert wieder aus der waschmaschine...auch eine heiße dusche hat nicht gewirkt...
pro stein brauche ich im vergleich zur hochgezüchteten ausleihsäge gut das doppelte an zeit...und besonders scharf ist das sägeblatt dieser säge auch nicht... 


und hier ist sam, mein schwedischer zimmergenosse, arbeitskollege und kneipentouri...ich besitze ebenfalls solch einen modischen strohhut, denn die sonne brennt einem erbarmungslos ins genick und mein kleiner anglerhut hilft nicht wirklich dagegen...


allerdings stört der hut bei den sägearbeiten und so trage ich ihn meist nur beim plattenlegen...nach vier tagen war darüber hinaus mein erstes paar 2,50$ billighandschuhe aus china durchgewetzt...(nein, ich hatte auch nicht wirklich erwartet, dass die lange halten, aber in diesem discountshop gab es nix anderes was als "arbeitshandschuh" durchging) ich habe dann 7$ in hochwertige black&decker lederhandschuhe aus dem baumarkt investiert... bis jetzt erledigen sie ihre arbeit gut... auch hier gilt: beim sägen verzichte ich drauf... im falle eines ungüstigen falles würden sie das sägeblatt eh nicht davon abhalten, mir meine finger zu zerreißen... und im ebenfalls ungünstigen fall dass sich die handschuhe im blatt oder im antrieb verfangen besteht die gefahr, dass ich die längste zeit eine hand hatte... das würde ich gerne vermeiden...

mittlerweile ist carl wieder fit und heute mussten wir gefühlte ewigkeiten auf den rollrasen warten, der vier stunden zu spät geliefert wurde...somit konnte der zeitplan -mal wieder- nicht eingehalten werden...carl ist zwar ein fähiger arbeiter und fix was plattenlegen und sonstige arbeiten angeht, aber er ist alles andere als ein fähiger manager... er gibt einem eine aufgabge und keine zehn minuten später kommt er mit was anderem...so haben sam und ich am ende des tages 20 aufgaben bekommen, können aber keine wirklich fertigstellen und rennen somit immer von einem ende des gartens ins andere...nach sachlicher kritik an dieser vorgehensweise und meiner neu entdeckten säge-skills kann ich zumindest diese aufgabe in ruhe erledigen...sam ebnet den untergrund ein...und legt normale platten...

aktuell bzw heute nachmittag sitze / saß ich auf der terrasse bei einer kalten coke und lasse mir die sonne auf den bauch scheinen, warte drauf dass ich mein kostenloses abendessen abholen kann...usw usf (für alle leser mit schlechtem kurzzeitgedächtnis empfehle ich den dritten absatz...)

morgen gehts ans rollrasen verlegen und dann werde ich nochmal ein paar fotos vom vollendeten werk machen...und ja, ich konnte meinen vorsatz wieder nicht einhalten...kurz vor zwei morgens hier wenn ich den "veröffentlichen" button klicke...