Donnerstag, 8. August 2013

annað stigum til Emstrur

zweite Etappe nach Emstrur...

mit viel Lese- und Sehstoff...

Wie im letzten Teil beschrieben hatten wir auf Grund des schlechten Wetters in Alftavatn und der hohen Müdigkeit schnell den Weg in die Zelte gefunden und waren auch ebenso schnell eingeschlafen...trotz Ohrstöpseln wurde ich gegen 23:00 von Regen geweckt... dieser Regen hielt sich hartnäckig die ganze Nacht... (ich gehe einfach mal davon aus, dass es durchgängig geregnet hat...es wäre zwar denkbar dass der Wettergott genau dann die Schleusen geöffnet hatte, wenn ich wach wurde, aber sehen wir mal von übernatürlichen Umständen ab...)

Der Plan war mal wieder um 6:00 aufzustehen und uns auf den Weg zu machen...wir hatten uns drauf geeinigt im Falle von Regen es im Abstand von einer Stunde immer wieder zu versuchen...

6:00 - Regen
7:00 - Regen
8:00 - Regen
9:00 - kein Regen!!!

in Windeseile schüttelten wir die Reste des Regens von unseren Zelten, packten und schulterten die Rucksäcke und machten uns auf den Weg...

wir waren nicht die einzigen, die diesen Plan hatten...seit Landmannalaugar folgte uns eine Gruppe französischer Pfadfinder die es vorzogen bei jeder Gelegenheit zu singen... aber wirklich IMMER waren die am singen... wir versuchten deshalb meist weit vor oder hinter ihnen zu wandern...bisher hatte das immer gut funktioniert...nur auf dieser Etappe sollten wir ihnen öfter begegnen... 

die andere Gruppe die uns regelmäßig über den Weg lief, bestand aus etwa zehn dekadenten Russen, die NICHT gewandert sind, sondern mit breitbereiften Geländewagen von Hütte zu Hütte gefahren wurden...und dort abends ausufernd gesoffen haben... so kann man es auch machen... in diesem Sinne: "До дна!" (Hau weg die Scheiße!)

in den Bergen von Alftavatn habe ich übrigens noch einen kleinen Smiley entdeckt...ob nun natürlicher Ursache oder von Bergsteigern mit Humor in den Schnee gezeichnet, konnten wir nicht klären...


zurück zum Wandern in Reinform... nach nur wenigen Metern kam schließlich der erste Fluss, den wir wirklich zu Fuß durchqueren mussten, selbst ausgiebiges Suchen nach flachen Stellen die man einfach hätte durchqueren können blieb ohne Erfolg...da mussten wir nun durch: 





J. ging wie immer mit großem Mut voran und stieg als erster mit Turnschuhen beschuht in das kalte Nass...



 

Danach traute auch ich mich ins Wasser...hier in der Mitte mit der weißen Plastiktasche vor der Brust..darin meine Wanderstiefelchen... so ein kalter Fluss am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen und macht verdammt wach...da ich keinen Kaffee trinke, kann ich hier keinen Vergleich anstreben, aber der Wachzustand hielt lange an... 



Am anderen Ufer angekommen sahen wir zu, dass wir schleunigst aus den nassen Schuhen rauskamen und wieder die trockenen Wanderschuhe anbekamen...die triefend nassen Turnschuhe fanden dann ihren Platz am Außenbereich des Rucksacks...gleichzeitig legten wir eine nicht zu verfehlende Wasserspur für alle unsere Verfolger...

Landschaft wie auch Himmel wandelten sich recht bald: es ging los mit grünen Hügeln und vielen Wolken und mit der Zeit wandelte sich erstere hin zu mehr dunkler Lava und letzterer wurde heller und blauer... 


Schon bald kam der nächste Fluss in Sichtweite und einerseits war er mit seinen Stromschnellen äußerst imposant anzusehen, andererseits recht ernüchternd bei dem Gedanken, dass wir da eventuell auch wieder zu Fuß durch müssten...


das isländische Tourismusministerium hatte aber Mitleid mit uns (und anderen Wanderern) und so hat man eine freundlicherweise eine stabile (ja war sie wirklich) Holzbrücke in die Landschaft gesetzt....auch hier nimmt J. seine Pionierfunktion wahr und quert als erster... ich bin recht schlecht im Schätzen von Höhen, aber ich nehme mal an dass von Kante der Schlucht bis zur Wasseroberfläche etwa 5 Meter Höhenunterschied waren....die Brücke war nochmal 2 Meter in die Höhe gebaut... und im Reiseführer stand zu dieser Stelle: "bei höheren Wasserständen muss der Weg zur Brücke gefurtet werden" ... nach dem Überqueren hatten wir dann eine Vorstellung, was mit "höheren Wasserständen" gemeint sein musste und wir waren froh, dass wohl gerade Niedrigwasser herrschte... 


so sahen die Stromschnellen von der Brücke aus...


nach etwa einer weiteren halben Stunde kam der nächste Fluss (ja, davon hat Island verdammt viele...) ...diesmal leider ohne Brücke...es ist ein Abfluss eines nahen Gletschers und dementsprechend kalt...auf Grund der schmalen Stelle die zum Furten genutzt werden kann, kam zu einem kleinen Stau...der Fluss ist etwas mehr als knietief und es war recht amüsant zu erleben, dass egal aus welchem Land man kommt: der Ausdruck für "scheiße ist das Wasser kalt" ist in so ziemlich jeder Sprache "uaaaaaaah" ...mein freudig verzerrter Gesichtsausdruck schmückt nun ein britisches Urlaubsfoto...

hier holten uns auch besagte Franzosen wieder ein und beim Furten machen sie sich gegenseitig Mut und schrien ganz in Revolutionslaune "Allons!!! Allons!!!" 

nach dieser Querung kann ich zumindest sagen, dass Wasser auch weit unter 0°C flüssig sein kann... Physiker kriegen das zwar im Labor auch schon hin, aber nur solange das Wasser unbewegt und ruhig ist... für weitere Experimente schlage ich der Welt der Physik diesen Fluss vor...
 


recht schnell änderte sich das Landschaftsbild und wir kamen in eine ausgedehnte Steinwüste... hatte gewisse Ähnlichkeiten mit Bildern von der Mondoberfläche...und unter anderem hier haben amerikanische Astronauten in den 1960ern trainiert, bevor sie dann die Kulissen in den Fernsehstud...ach nein...den Mond betreten haben ;-)


hier ein Blick auf den Gletscher, welcher den eben durchquerten Fluss fleißig mit Wasser füllt:


nun kamen die Flüsse zuverlässig im Stundentakt...hier ein ansehnlicher Wasserfall mit Brücke im Hintergrund, die wir nutzen konnten...das Ufer lud zu einer entspannenden Rast ein und unter dem monotonen Rauschen des Wasserfalls nahmen wir unsere Pausenmahlzeit ein...


und wieder wechselte die Landschaft abrupt ihr Erscheinungsbild: aus schwarz wurde wieder grün...und der Himmel hatte endgültig auf "Schönwetter" umgeschaltet... so macht Wandern richtig Spaß!


...und nach nur einer halben Stunde etwa wechselte das Grün wieder in ein sattes Lavaschwarz...und bis zum Horizont mussten wir noch laufen... hier war es angenehm still...und ich meine "still" ... wenn man stehengeblieben ist und die Luft für einen kurzen Moment angehalten hat, hat man nichts...wirklich NICHTS gehört...kein Hintergrundrauschen einer Stadt, keine Flugzeuge, keine Tiere, kein Wind... absolute Stille...


die letzten Meter bis zur Hütte führten stetig bergab und dazu auch wieder zu Knieschmerzen meinerseits...in einem Tal aber sahen wir schon die Dächer von Emstrur...unserem Nachtlager: 


und hier der Vulkan "Katla", er ist einer der aktivsten Vulkane in Island und liegt unter dem Gletscherschild des Mýrdalsjökull...welchen man hier in erster Linie sieht... er bricht etwa alle zehn Jahre aus und ist längst überfällig... überall stehen Warntafeln mit dem Hinweis im Falle eines Ausbruchs schnellstmöglich auf naheliegende Gipfel zu steigen um den Unmengen an Schmelzwasser zu entkommen... 


 Camp Emstrur liegt äußerst idyllisch gelegen in einem Tal direkt an einem kleinen Bach der leise säuselnd in seinem Bett rauscht...


man kann direkt aus dem Bach trinken...so versicherte man uns seitens der Wärter... J. blieb seiner Pionierrolle treu und versuchte sich als erster daran... als er nach fünf Minuten immernoch am Leben war, versuchte ich es ebenfalls ... und ich muss sagen: kalt und gut und vor allem ohne jegliche Nebenwirkungen! "pure icelandic water" wie es auf allen isländischen Lebensmitteln mit der Zutat Wasser zu lesen war...

das schöne Wetter wollten wir ausnutzen und so machen wir uns an die Zubereitung des Abendessens... aus Erfahrung kann ich jetzt sagen, dass wenn man Tütensuppe mit etwa einem Viertel der vorgegebenen Menge Wasser kocht, erhält man einen Nudelbrei... essen kann man diesen trotzdem... 


...weiterer positiver Nebeneffekt des schönen Wetters: die nassen Kleider die wir seit der Begegnung mit isländischem Regenwetter in den Bergen mit uns herum getragen hatten, konnten endlich trocknen... 


...und nun das Camp von der anderen Seite...eine Holztreppe führt hoch zu den Toiletten und Duschen...

besagte Treppe hatte einen ziemlich unnatürlichen Stufenabstand... entweder haben die Architekten vom RW1 der Uni Mainz hier kopiert oder umgekehrt...jedenfalls sah man immer aus, als hätte man einen latenten Gehfehler...


zum Glück konnte man auch wunderbar neben der Treppe laufen... und nach ausgiebigem Sonnenbaden ging es dann gegen 23:00 Uhr (es war noch taghell) ins Bett...die Franzosen (welche gut eine Stunde nach uns das Camp erreichten) hatten endlich aufgehört zu singen und zu labern und das einzige was zu hören war, war das Gluckern des Baches... und vor uns lag die letzte Etappe des Laugavegur...




Montag, 5. August 2013

fyrstu stigum Alftavatn

zum Schwanensee...

in der Ferne sahen wir drohendes schlechtes Wetter in Form von Regen...und so dachten wir, es sei besser, zeitig aufzubrechen... gesagt - getan und nach wenigen Metern ins Tal wurde der Schnee immer weniger, zeigte aber noch einmal eindrucksvolle Formationen...


der Blick nach vorn zeigte allerdings schon deutlich den drohenden Regen am Horizont ... die Wolken hingen förmlich an den Bergen fest und regneten sich aus...


unser Weg sollte uns durch dieses Tal direkt in die Arme der Regenfront führen... noch scherzten wir darüber...


...aber auf den folgenden 8km habe ich kein einziges Bild machen können...erst fing es harmlos mit ein paar Tropfen an, aber wurde schnell stärker...innerhalb weniger Minuten waren wir nass... meine Softshell hielt anfangs noch stand, aber bald drang auch hier das Wasser an den Stellen ein, wo die Gurte den Rucksack an mir hielten...die Hose war recht schnell klatschnass geworden und auf diesem Wege lief dann auch das Wasser in die Schuhe ("oh gravity...thou art a heartless bitch")... der waagrecht "fallende" (oder besser "wehende") Regen kam auf diesem Wege auch in die Gesichtsöffnung meiner Kapuze ... alle Elektrogeräte konnte ich noch rechtzeitig wasserdicht verstauen...starker Wind, Regen und bergabwandern auf Wegen die sich schnell in kleine Bäche und Schlammpisten verwandelten, hat seinen ganz eigenen Reiz...innerlich fluchend ging es Stück für Stück voran...auch die ausgepackten Stöcke brachten nicht immer den erwünschten Halt im Gefälle...in Skisporthaltung gehockt ging es mehr als einmal rutschend einen Hang hinunter... ärgerlicherweise kamen nun auch langsam Schmerzen im linken Knie hinzu...so macht bergab gehen noch weniger Spaß...

glücklicherweise hatte es nach gut 3 Stunden aufgehört zu regnen...der Wind aber war geblieben...was allerdings nicht nur von Nachteil war, denn innerhalb von nur knapp 20 Minuten war der Synthetikstoff meiner Hose durch Körperwärme und Wind wieder trocken...

in der Ferne konnten wir endlich den See samt Hütte sehen und die letzte Hürde war dann noch ein zu querender Bach...nicht breit aber dafür tief... wir hatten beide keine Lust jetzt noch die Turnschuhe auszupacken und für dieses kleine Stück anzuziehen... aus ähnlichen Gründen hatte jemand eine "Brücke" gebaut... ok...zwei Bretter wackelig auf Steinen abgelegt... wo ist die Bundeswehr mit ihren Pionierpanzern und Brückenbauern wenn man sie mal braucht???

 

J. probierte die Brücke als erstes und konnte ohne größere Probleme das andere Ufer erreichen... ich für meinen Teil weiß noch aus Kindheitstagen dass ICH immer derjenige war, der beim Spielen am Wasser nach spätestens einer Stunde nass war... das Gleichgewicht verloren hatte auf kleinen Steinen oder sonst wie...prinzipiell hatte ich immer entweder nasse Schuhe oder Kleider...

da ich jetzt eh schon nasse Kleider hatte konnte ich locker an die Sache herangehen...die Schwierigkeit bestand darin, trotz Wind und wackeliger Brücke NICHT umzufallen... dankenswerterweise hatte J. mir einen Teil meines Gepäcks abgenommen und ich arbeitete mich dann langsam voran... letztendlich war es nur einmal recht knapp und mit akrobatischen Verrenkungen konnte ich den Sturz doch noch abwenden...  

immernoch nass aber erleichtert kamen wir dann endlich am Camp Alftavatn an... hier zahlt man im Grunde für einen nicht windgeschützten Zeltplatz und Plumpsklos...warme Duschen kosten extra...windgeschützt war auch sonst kaum ein Ort und nachdem ich umgerechnet 3€ in warmes Wasser investiert hatte, kamen auch langsam die Lebensgeister wieder zurück...die nassen Klamotten trocknete ich im Wind, kochen konnten wir auf der Terrasse und nach dieser anstrengenden Tour waren wir beide um 20:30 am Schlafen...


bei schönem Wetter hätte das eine richtig tolle Location werden können...See im Hintergrund...Zeltplatz idyllisch an einem plätschernden Bach gelegen...Schwäne gab es dort trotzdem keine...

 

nach dieser Etappe würde mich mal interessieren, wie lange die Autoren der einzelnen Reiseführer unterwegs waren, um vom kompletten Wanderweg Schönwetterbilder zu bekommen... man sieht überall nur fröhliche Menschen bei schönem Wetter wandern... lachende Gesichter hab ich im Starkregen beim Abstieg kein einziges gesehen...

Freitag, 2. August 2013

fyrstu stigum Hrafntinnusker

erste Etappe nach Hrafntinnusker also...

wir begannen diese erste Etappe des sogenannten "Laugavegur" Wanderweges ("Weg der heißen Quellen") früh am morgen und waren bereits um 7:00 Ortszeit unterwegs... (und das im Urlaub... :D ) bevor man sich auf den Weg macht, muss man sich in eine Liste eintragen, die Anzahl der Wanderer, Name und Ziel beinhaltet...das  gleiche muss man auch wieder machen, wenn man an den Unterwegshütten vorbeikommt...jeden Abend prüfen die tapferen Ranger die Anzahl der Starter und die Anzahl der Ankommenden ab...fehlt einer, werden Maßnahmen eingeleitet, den/die Vermissten zu finden...glücklicherweise kam das während unserer Wanderung nicht vor...

die ersten drei Kilometer waren bereits bekannt, denn es handelte sich um das Endstück des zuvor gewanderten Rundweges...deshalb steige ich an einer anderen bekannten Stelle ein:  am Rande des Solfatarenfeldes...die Geste die ich hier mache ist falsch...eigentlich sollte ich mir die Nase zuhalten...




das gut ausgebaute Wegweisernetz zeigte für uns nicht nur symbolisch bergauf...unser Weg sollte uns im ersten Teil über einen Gebirgspass von 1100m Höhe bis nach Hrafntinnusker führen ...


wie gesagt: nicht nur symbolisch ging es nach oben...auch der Weg führte steil bergauf... und es war nicht wirklich angenehm in der dicken Luft zu wandern... der Gestank nach faulem Ei legt sich unangenehm in Nase und Lunge...

im Endeffekt hilft aber auch Jammern nichts...wir mussten da rauf... oben angekommen bot der Blick zurück schon ein erstes Aha-Erlebnis: in der Ferne der Fluss, an dessen Ufer Camp Landmannalaugar liegt und das Lavafeld über das wir gekommen waren...ein herrlicher Ausblick...und die Pause an dieser Stelle hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass wir in den Genuss einer natürlichen Fußbodenheizung (in unserem Fall sitzend und rastend eher "Hinternheizung") kamen... das gesamte Gebiet ist vulkanisch aktiv und entsprechend war der Boden überall aufgeheizt...


Der Blick nach vorn hingegen bereitete uns schon einmal seelisch und moralisch darauf vor, was uns noch erwartete...dort oben in den Nebel mussten wir rein...



Unterwegs trafen wir immer wieder auf Altschneefelder, hier mal ein Bild von einem untertunnelten Feld...dies ist auch gleichzeitig der Grund, warum man nur sehr vorsichtig auf solchen Feldern wandeln sollte, sie können überall von Flüssen unterquert werden und man kann dementsprechend dort auch einbrechen...sobald es verdächtig knackt, sollte man einen anderen Weg suchen...


 Hier nun mal aus der Höhe betrachtet ein sehr großes Altschneefeld mit einem Tunnel für den Fluss...beide Öffnungen waren so groß, dass man bequem aufrecht gehend durchlaufen könnte...


 der Wanderweg führte uns erbarmungslos nach oben und die einzigen Begleiter oder besser gesagt Zuschauer hatten wir in vereinzelt herumlaufenden Schafen... diese werden im Sommer hier ausgesetzt und im Winter dauert es -wie wir durch den Audioguide erfahren hatten- in etwa 5 Tage, bis man alle wieder gefunden hat... so weitläufig wie das Gebiet ist, hätte man mit mehr Zeit gerechnet...

Die Wege waren nicht gerade die breitesten und auf diesen Kuppen wehte der Wind zusätzlich noch recht stark so dass man meist mit Schlagseite wanderte...angenehmes in den Wind legen sieht sicherlich anders aus, aber bevor man den Hang hinuntersegelt, stellt man die Ästhetik doch lieber hinten an... 


 hatte ich erwähnt, dass es streckenweise recht steil war? falls nein, hier nochmal der Weg der vor uns lag...im geordneten Zickzack den Hang hinauf...



ich habe öfters den Blick zurück gewagt um zu sehen, was wir bereits wandertechnisch alles erreicht hatten... am rechten oberen Bildrand ist noch einmal der Fluss zu sehen, von dessen Ufer aus wir gestartet waren...alles was dazwischen liegt (natürlich den Weg über alle Berge) sind wir schon gewandert...
 

die Wahrheit ist irgendwo da draußen...hier sogar mit Wegweiser zur Berufsskeptikerin ;-) ... Mulder hab ich leider nicht mehr gefunden... ;-)
 

je höher wir kamen, desto kälter wurde es...dank des Zwiebelprinzips, der atmungsaktiven und winddichten Kleidung und der ständigen Bewegung frierten wir aber nicht...hier nun meinereiner leicht in den Wind gelehnt mit modischem Fanny-Bag und in voller Montur auf einem kleinen Gletscher...Schnee im Juli...wunderschön...das ist der Ausgleich für mein Weihnachten am Strand  2010 :D


nach diesem kurzen Winterintermezzo ging es erstmal wieder ein kleines bisschen bergab...aber kein Grund zur Entwarnung...der wirkliche Berg kommt erst noch...er deutet sich dort hinten im Nebel schon schwach an... und es rauchte auch wieder in der Ferne...untrübliche Anzeichen für geothermische Aktivität...
 

und so war es dann auch: das folgende Schauspiel war sehr interessant zu beobachten: ein kalter Gebirgsbach fließt am Rand eines Solfatars vorbei und teilweise auch hinein, die Hitze im Inneren lässt das Wasser kochend und dampfend wieder an die Oberfläche steigen und spritzen...unterhalb dieser Öffnung ist der Bach warm...


ach und falls ich nicht erwähnt hatte, dass es steil ist...es ist steil...dieser Hang sogar noch eine Nummer stärker als vorher...

 hier rasten wir nach getaner Kletterarbeit am höchsten Punkt der Strecke in etwa 1100m Höhe...Aussicht hatten wir dank Nebel keine, aber das beruhigende Gefühl, den Scheitelpunkt erreicht zu haben... als Faustregel gilt: dank der nördlichen Lage der Insel ist jeder Höhenmeter mit dem Faktor 3 zu multiplizieren... für mitteleuropäische Verhältnisse waren wir also auf gut 3300m...


der obligatorische Blick zurück zeigt den auch im Sommer präsenten Schnee auf Islands Höhen...
 

 von nun an ging es konstant bergab bis wir schließlich in Hrafntinnusker ankamen...rechts am Bildrand ist die Hütte zu sehen...in der Mitte der Bereich mit etwas weniger Schnee ist der Campingplatz...


die Hütte war recht spartanisch, aber für eine Pause gut zu gebrauchen... sie hatte wie viele ihre eigene heiße Quelle aus der man warmes Wasser für die Dusche und die Heizung abzapfte... und das System funktionierte gut...ich war einmal kurz im Inneren der Hütte und dort herrschten schätzungsweise 30°C ...und alle Wärter liefen in Tshirts durch die Gegend...


sogar die Sonne lachte zeitweise mit uns...und das Mittagessen konnten wir auf dieser netten Terrasse zu uns nehmen...


 da der Schlafsack von J. nicht für kalte Temperaturen gedacht war, machten wir uns nach einer ausgedehnten Pause an den Abstieg in Richtung Alftavatn... davon mehr im nächsten Teil...





Mittwoch, 31. Juli 2013

lykkja vegur

round and round it goes...Rundweg:

glücklicherweise war das in den Bus geschwappte Wasser nur bis in die Polster der Trage- und Beckengurte meines Rucksacks vorgedrungen, der Rest hielt sein "wasserdicht" Versprechen ein...wie die Zelte gesichert wurden, habe ich ja bereits hinreichend erwähnt und nach einer kurzen Stärkung ging es auch schon los...der Campingkocher hat hier sehr gute Dienste geleistet und wenn man nichts anderes hat, sind auch Fertigprodukte aus der "Junggeselle-kann-ohne-Mama-nix-kochen" Abteilung eine in Betracht zu ziehende Alternative... in der Not frisst der Teufel bekanntermaßen auch Fliegen... 

 

auf Grund der geringeren Heizleistung des Spirituskochers benötigt das Gericht zwar knapp die dreifache Zeit wie mit einem handelsüblichen Herd, aber auf Grund der akuten Herdknappheit wartet man doch gerne und Vorfreude soll ja die schönste Freude sein... (und nein: das ist keine Kritik am Spirituskocher!)

Frisch gestärkt und vom Wetter begünstigt (bescheidenerweise sage ich mal "begünstigt" wenn es nicht regnet) wollten wir die Umgebung erkunden und so fingen wir dann an der "Einfahrt" zum Camp an...diese besteht aus einem nicht allzu tiefen Fluss, so dass hier auch weniger geländetaugliche Reisebusse passieren konnten:


 

Wären dort Gepäckstücke gelagert gewesen (der Bus sieht leer aus) so wären deren Besitzer bestimmt ähnlich überrascht über die Tropfen, die vom Rucksack kommen...

So sah übrigens die Ursprungshütte aus: eine Felsspalte mit ein paar Steinen umringt und ein Dach drüber... sah von innen ebenfalls recht ungemütlich aus...mit dem Zelt hatten wir dann doch die bessere Alternative...



Nach einigem Suchen haben wir dann einen Rundweg gefunden, der uns in 6,2km einmal rund um das Lavafeld (oben auf dem Foto ist die Front zu sehen) führt, welches die zweite Begrenzung des Camps neben dem Fluss darstellt... J. geht schonmal voraus und checkt die Lage während der Autor die Landschaft genießt... abwechslungsreiche Formationen von schroff bis hin zu vom Wasser über viele viele viele (...) Jahre geformt...auch waren viele Farben zu sehen: von braun über grün und rot bis hin zu schwarz und weiß... und bevor ich hier noch 1000 Worte verliere, lieber 5 unkommentierte Bilder, die wesentlich mehr sagen:






nach einer guten Stunde wandern schraubte sich der Weg beachtlich in die Höhe und der kleine Fluss neben dem wir anfangs wandelten ist nun tief unten im Tal... ich bin sehr dafür, dass Fotos bald durch Hologramme abgelöst werden...die Höhe sowie die spektakuläre Fernsicht kommen in 2D nicht wirklich zur Geltung:


...zur Sicherung gab es übrigens maximal ein dünnes Seil...aber wer hier zu nah am Abgrund wandelt ist selbst Schuld...Schwerkraft wirkt auch in Island...


oben auf dem Lavafeld angekommen, zeigten sich bizarre Formen und tiefe Spalten...so erkaltete die Lava kurz nach dem Ausbruch...stellenweise überziehen Moos und Flechten die schwarze Einöde...


recht bald fiel unser Interesse auf die aufsteigenden Rauchschwaden am Horizont...sogenannte Solfatare...diese stoßen lecker Schwefelwasserstoff und CO2 aus... im Grunde mehr was fürs Auge als für die Nase...


hier sieht man, wieso in jedem Tal mindestens 1000 kleine Flüsse fließen: Restschnee taut und bildet kleine Bäche, die sich entweder mit anderen zu größeren Bächen und später Flüssen vereinen oder aber ganz plötzlich im Vulkangestein versickern und woanders wieder zu Tage treten... eine Aussage des Audioguides von der Fahrt (ab und an hab ich halt doch mal hingehört) war, dass "Island" eigentlich "GeschmolzenesEisLand" heißen müsste, da wesentlich mehr Wasser als Schnee und Eis zu finden sei... wie wahr diese Aussage ist, sollten wir aber noch zu spüren bekommen...


an manchen Stellen bildeten sich kleine Seen, die durch verschiedenste Farben auf sich aufmerksam machten:


 ganz oben auf dem Lavafeld hat man eine tolle Aussicht auf das Camp und die heißen Quellen die dort zu finden sind...


von der besagten heißen Quelle habe ich kein Foto gemacht... J. hatte sie als erstes probiert und war begeistert davon... ich für meinen Teil musste mich erst noch überwinden, die etwa 500m Wegstrecke in Badehose bei Windstärke 7 und ebenso vielen Grad Celsius zurückzulegen... irgendwann konnte ich den inneren Schweinehund bezwingen und machte mich auf den Weg... um es kurz zu fassen: herrlich! der Krater wird befüllt von 3 (verdammt) heißen und 3 (schweine) kalten Quellen und die Herausforderung bestand darin, den Platz zwischen drohender Erfrierung und Verbrühung zu finden... nach etwa einer Stunde war ich dann so aufgeheizt, dass der Rückweg kein Problem mehr war...

Schattenseite der stark frequentierten Quelle: viele Leute nutzen diese, ohne sich vorher zu duschen... und dann meist auch noch mit diversen Cremes und Ölen auf der Haut... die Folge davon lässt sich hier ganz gut erkennen: das Abwasser ist überzogen von einem Schmierfilm...weniger schön...


nach dem Badeerlebnis ging es dann auch direkt in den Schlafsack, der folgende Tag sollte früh beginnen...