Sonntag, 5. Februar 2017

Trainspotting (nein...nicht der Film)

Auch in diesem Urlaub musste eine Zugfahrt auf dem Programm stehen ;-)

Erst etwas Text, dann die Fotos...

Um der Hektik der Großstadt zu entkommen, planten wir eine Zugfahrt nach Sapa im Norden Vietnams. Dort findet man die durch unzählige, prächtig grün-schimmernde Fotos berühmt gewordenen Reisterrassen. Das wollten wir auch mal mit eigenen Augen sehen. Der Plan sah vor, mit einem Nachtzug hinzufahren, zwei Tage zu bleiben und dann wieder zurück nach Hanoi. Wie das allerdings so oft mit Plänen ist, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Trotz Onlinebuchung und Vorlauf von drei Tagen war die Fahrt im Orient Express (man gönnt sich ja sonst nix) ausgebucht und den normalen Schlafwagen wollten wir uns nicht geben. Fast ausnahmslos wurde von nächtlichen Besuchen diverser Krabbeltierchen berichtet, vom "Komfort" einer 10cm Schaumstoffmatratze mal abgesehen... Die Notlösung bestand dann aus einer Fahrt mit dem Tageszug: neun Stunden lang der Landschaft zuschauen, die am Fenster vorbeizieht...was fürs Auge halt...

Tickets kann man unkompliziert im Bahnhof mit persönlicher Beratung kaufen, man muss nur verstehen, dass der Ticketschalter ein einfacher Schreibtisch in einer riesigen Halle ist...nichts deutet auf den Verkauf hin und bei Platzproblemen wird man auch einfach mal auf die Seite des Verkäufers gesetzt und wartet, bis die Kunden vor einem fertig bedient wurden. Für wenige Euro haben wir uns dann Tickets für die "Soft Seat" Klasse entschieden, was in etwa der ersten Klasse entsprechen sollte... In Vietnam muss man 30 Minuten vor Abfahrt am Zug sein, was für uns bedeutete, dass wir um kurz nach fünf aus dem Hotel raus mussten und mit dem Taxi an den Bahnhof mussten. Soweit der Plan... (ich verweise nochmal auf die Aussage von weiter oben...) Am Vorabend haben wir alle Check-out Formalitäten im Hotel erledigt und der netten Dame am Empfang auch direkt gesagt, dass wir ein Taxi für viertel nach fünf zum Bahnhof brauchen. Zweimaliges Rückversichern und -fragen brachte immer wieder ein "ja, geht klar" als Antwort.

Nächster Morgen, kurz nach fünf...wir schleichen die spärlich beleuchteten Gänge des Hotels entlang und kommen zur Rezeption... doch dort wo am Vorabend noch die Rezeption war, ist nun eine Garage für ca. 15 Roller und die Nachtwache schläft auf der Couch. Natürlich stand auch kein Taxi vor der Tür und wartete auf uns. Sichtlich verwirrt und verschlafen gab der junge Mann von der Nachtwache zu verstehen, dass er nichts von einem Taxi wüsste...er zückte aber sogleich sein Handy und telefonierte aufgeregt ein paar Minuten und versprach uns dann, dass das Taxi unterwegs sei und wir uns keine Sorgen machen sollten... Irgendwie beruhigte uns das nicht wirklich...Umso größer war dann die Erleichterung, als tatsächlich wenige Minuten später ein Taxi angebraust kam und uns einsammelte und zum Bahnhof brachte...

Unter- oder Überführungen hat man beim Bau des Bahnhofs eingespart - kurzer Blick nach links und rechts - kein Zug der gerade dort fährt wo man das Gleis überqueren will - los gehts ... fünf Gleise sind kein Problem und der Zug stand auch schon am Bahnsteig bereit...

Beim Einstieg wollte man uns noch ein Schlafwagenabteil andrehen, aber ein kurzer Blick hinein reichte, um das Angebot dankend abzulehnen...

Die gebuchte erste Klasse versprühte ein wenig 70er Jahre Kunstledercharme und war im Vergleich zur zweiten Klasse die deutlich bessere Wahl... 

erste Klasse mit Klimaanlage:
 

zweite Klasse mit Deckenventilatoren:


Die Fahrt führte uns zuerst am Rande der Altstadt quasi durch die Wohnzimmer und Küchen der Einwohner. Die Häuser waren so nahe am Gleis gebaut, man könnte durch ein offenes Fenster im Vorbeifahren einen Kaffee vom Tisch klauen...danach ging es über die Long Bien Brücke, von der aus man eine tolle Sicht zurück auf die Stadt hatte...wenn man nicht wie ich die Bilder EXAKT im Rhythmus des Stahlfachwerkes macht und auf fast jedem Bild einen Pfeiler hat. Üppige Vegetation direkt an der Grenze zur Stadt:


Wir fuhren der Sonne entgegen, die sich sichtlich mühte, die morgendliche Dunstglocke der Großstadt zu durchbrechen...von weitem und aus der Gemütlichkeit des knautschigen Kunstledersessels auf Rädern sieht die Stadt fast schon friedlich aus...  (Spoileralarm: das täuscht...)


Die nicht ganz so moderne Technik lässt den Reisenden auch in Genüsse kommen, die man in Deutschland fast nirgends mehr in den vollklimatisierten Zügen findet: man kann die Fenster öffnen und den Kopf auch mal in den Fahrtwind halten:


Ich bin ein paar Mal durch den Zug gelaufen...nach drei Stunden muss man sich auch mal die Beine vertreten... die Einheimischen, die später an den Unterwegshalten noch zugestiegen sind, waren manchmal etwas irritiert, dass sich ein westlicher Reisender in ihren Wagen verirrt...nur die Kinder haben immer freundlich gewunken...

Zurück im Touristenwagen wechselte plötzlich die Temperatur recht schnell von "wir kochen einen Tee ohne Wasserkocher" bis hin zu "den Tee, den wir eben kochen wollten, können wir jetzt am Stiel lutschen" - offensichtlich hat die Klimaanlage einen kleinen Schaden gehabt...

Eine Sache, die mir in Vietnam aufgefallen ist: fast jedes Verkehrsmittel hat seinen eigenen Mechaniker mitgeführt ... löbliche Ausnahme: Flugzeuge...da sind sie vor dem Start wieder ausgestiegen (was einen zu der Frage bewog "steigen die wieder aus, weil sie genau wissen, dass das besser für ihre Gesundheit ist oder steigen die aus, weil die Kiste so gut in Schuss ist?") 

Irgendwann hat auch das Zugpersonal mitbekommen, dass da was faul ist und sie haben ihren Scotty losgeschickt, um das Schiff...äh...die Klimaanlage wieder fit zu machen...  Auch was fürs Auge...


Auf dem Bild ist eine weitere Eigenart der Vietnamesen zu erkennen: sie stellen oder legen prinzipiell IMMER ihre nackten Füße irgendwo drauf...eh man sichs versieht, hat man nen fremden Fuß auf seiner Armlehne neben sich...ein Fest für Fußfetischisten...aber sonst...eher nicht so...

Landschaftlich veränderte sich das Bild je weiter wir nach Norden kamen: Berge tauchten am Horizont auf und bremsten die Wolken aus:



Abschied vom Zug, die chinesische Ingenieurskunst hat uns sicher bis fast ans Ziel gebracht:

 

Der Zug fährt nämlich nicht ganz bis nach Sapa, sondern nur bis Lao Cai, einer kleinen Stadt an der chinesischen Grenze, etwa 30 km vom Ziel entfernt. Die restlichen Kilometer muss man mit dem Bus zurücklegen. Natürlich gibt es auch hier mehrere Anbieter und die Preisverhandlungen sind recht intensiv...am Ende fanden wir uns in einem Minibus wieder, der scheinbar auch gleichzeitig Aufgaben der Post und des Paketdienstes übernimmt: alle paar Meter spring der Kollege des Fahrers aus dem Bus (natürlich während der Bus noch fährt) und sammelt Pakete und Briefe ein und springt mit diesen wieder zurück in den meist immer noch fahrenden Bus. Manchmal springen auch weitere Fahrgäste auf... C. bemerkte passenderweise, dass im Grunde nur noch fehlte, dass wie in einem Computerspiel bei jedem neuen Paket das "Ka-tsching" Geräusch einer Kasse ertönt und eine pixelige "1000" oder ein ebensolches "$" aufsteigt...


Irgendwann ist aber dann auch der größte Minibus mit dem doppelten der zugelassenen Menge an Fahrgästen und Fracht gefüllt, einzig die obligatorischen Ziegen und Hühner fehlten...ich saß neben einem alten Mann, der in einem Plastikbeutel lebende Fische transportierte, meine Füße ruhten auf einer Kiste Töpfe und mein Rucksack verhinderte, dass ich trotz immenser Fliehkräfte auch nur einen Millimeter bewegt wurde... 

...Fliehkräfte?

Das im ersten Beitrag zur Reise beschriebene Verkehrsverhalten ändert sich auch in den Bergen nicht: eine Straße, zwei Spuren, drei Fahrzeuge nebeneinander, vier Meter Sicht bis zur nächsten Kurve, aber trotzdem mit 80 außen überholen und hoffen, dass die Hupe erhört wird und der entgegenkommende 40-Tonner schneller bremst...auch hier besteht wieder das Potenzial, dass Freunde eines geordneten Straßenverkehrs in unkontrollierte Schnappatmung verfallen und verkrampft ihre Fingernägel irgendwo hineinbohren... in der Hoffnung auf sicheren Halt...

Die Kiste mit den Töpfen hatte am Ende der Fahrt einen doch deutlichen Abdruck meines Fußes...da hab ich wohl das ein oder andere Mal mitgebremst...   

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Großstadtgeflüster: Hanoi

Hanoi - die Hauptstadt Vietnams war nach einer ersten Nacht in Ho Chi Minh Stadt der erste Ort, an dem wir uns länger aufgehalten hatten. "Geflüster" ist zugegebenermaßen ein wenig irreführend...geflüstert wird prinzipiell nie und leise wird es erst recht nie in der Stadt.

Abseits eines lebhaften Straßenverkehrs besteht Hanoi aus einer ausgewogenen Mischung zwischen kommunistischen Prunkbauten, alten Häusern aus der Kolonialzeit und Plattenbauten. Dazwischen immer mal wieder ein Tempel oder Park. Die Franzosen haben der Stadt auch eine recht große Kathedrale spendiert, welche mitten in der Altstadt steht. In Laufreichweite zu ebendieser Kapelle lag dann auch unser Hotel... Das "Impressive Hotel" empfing uns freundlich und aufgeräumt. Was allerdings auch "impressive" war, war der Baulärm, welcher vom Nachbarhaus ertönte...zusammen mit den Vibrationen des Presslufthammers war ab 8 Uhr morgens nicht mehr an Schlaf zu denken...und das, nachdem man um 5 schon von den Glocken der Kathedrale zum Morgengebet gebimmelt wurde...und die fleißigen asiatischen Arbeitsbienchen legten in der Regel auch das Werkzeug nicht vor 18 Uhr wieder aus der Hand. Gut, dass wir uns meist draußen aufgehalten hatten...

Zentraler Anlaufpunkt in der Altstadt ist der Hoan Kiem See mit seinen schön hergerichteten Uferpromenaden:


Eigentlich ganz nett anzusehen, allerdings schien die Wasserqualität nicht gut gewesen zu sein, viele Fische dümpelten am Ufer tot an der Wasseroberfläche.

Laut Reiseführer ein Event, das man gesehen haben muss: Das Wasserpuppentheater. Hatte ich noch nie vorher von gehört - aber ich bin ja offen für Neues... Man muss sich das ganze wie einen großen Pool vorstellen, an einer Seite sitzen die Zuschauer, an den drei anderen Seiten sitzen die Puppenspieler gut versteckt und bewegen die Figuren auf und im Wasser. So kam es, dass C. und ich in den Genuss einer -laut Ansagerin- ganz speziellen Vorführung des Wasserpuppentheaters kamen....NUR für die anwesenden Gäste...das war dann auch das letzte, was wir für die folgenden 45 Minuten verstanden haben - die Vorführung war komplett in Landessprache gehalten. 


Ich konnte der Handlung nicht immer ganz folgen, glaube aber, dass es eine sehr dramatische Geschichte über harte Arbeit, Natur, Leben und Sterben, Seefahrt, Reisanbau, Fische und Katzen war...Ach ja...und Drachen! (ganz wichtig!) Auch wurde nicht an den Spezialeffekten gespart: Pyrotechnik war bei jeder zweiten Szeme im Einsatz.

Nach der Vorstellung wanderten wir noch ein wenig am Ufer des Hoan Kiem Sees entlang, dessen Bauwerke und Brücken im Dunkeln stimmungsvoll beleuchtet werden. Hier wurde zum ersten Mal sehr deutlich, dass die Vietnamesen ein Faible für LEDs und Lichterketten haben. 


Am folgenden Tag besuchten wir den Tempel der Literatur, welcher die erste Akademie des Landes war. Dort lehrte man zwischen 1076 und 1915 das umfangreiche Wissen des Konfuzius. Die Anlage besteht aus mehreren Höfen mit Seen und Gebäuden und war auf Grund einer Abschlussfeier einer Schule und mehreren Hochzeiten an diesem Tag ziemlich gut besucht.


Im Hauptgebäude sind verschiedene Statuen untergebracht, die Konfuzius und seine besten Schüler darstellen. Diesen spirituellen Ikonen werden regelmäßig Opfergaben gebracht. Wie man auf dem Foto erkennen kann, halten es die meisten Vietnamesen dabei eher pragmatisch und stellen den Stein gewordenen Herren auch mal eine Schachtel Kekse hin. 


Und mit dieser geschickten Überleitung zum Thema "Essen" hier ein Foto eines landestypischen Restaurants: ("bia" ist übrigens das Wort für "Bier")


Die kleinen Plastikhocker sind Standard, serviert und teilweise gekockt wird auf der Straße...wenn man die wahre vietnaesische Küche erleben will, muss man in so einem Laden essen. Natürlich gibt es auch Restaurants mit westlich geprägter Einrichtung, richtigen Stühlen und Tischen und auch Burger King und Co. haben mittlerweile ihren festen Platz im Straßenbild. Wir sind allerdings nicht um die halbe Welt geflogen, um einen Big King zu essen...also waren wir in einem Restaurant, welches Reisröllchen serviert. Diese bestehen aus einem hauchdünnen Teig aus Reis und werden mit Hackfleisch und/oder anderen Sachen gefüllt und es gibt verschiedene Soßen als Dip. LECKER!!! Und man kann direkt in die Küche schauen und mitansehen, wie die Leckereien zubereitet werden. Auf dem Foto sieht man, wie gerade der Teig vom Ofen genommen wird und gleich auf dem Holzbrett gefüllt und gerollt wird.


Einziger kleiner Kritikpunkt: Die bereits angesprochenen landestypischen kleinen Plastikhocker als Tisch und Stuhl. Diese Dinger sind vielleicht zu gebrauchen, wenn man nur 1,65 groß ist, aber meine Füße sind länger als die Hocker hoch sind. Dementsprechend schlecht habe ich gesessen.

Einmal pro Woche ist Mitternachtsmarkt in einer Straße nördlich von der Altstadt. Ich war neugierig, was es da so alles gibt und hoffte auf allerhand exotische Waren... Die etwas enttäuschende Antwort: "nur billigen Krempel" - von Mode über Spielwaren bis hin zu Essen und Trinken - zugeschnitten auf den knauserigen Touristen, der neben einer "Rollex" auch noch einen "Cmap David" Pullover sucht... Aus diesem Grund waren wohl auch fast nur Touristen in der Gasse unterwegs. 


Die Händler waren auch nicht sonderlich erfreut darüber, wenn jemand Fotos von ihren Ständen gemacht hat...nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass die angebotenen Waren astrein waren. Ein Foto hab ich dann aber doch heimlich gemacht: schwimmt mit auf der Welle der coolen Nerds...aber...


...Comicfans müssen jetzt ganz stark sein:

 
Über den Verkehr in den Städten hatte ich ja bereits geschrieben, so war es umso angenehmer, einmal durch die Straßen zu gehen, ohne permanent von motorisierten Verkehrsteilnehmern umgeben zu sein:

Zum Abschluss des Abends gab es noch ein kleines Konzert von einheimischen Rock-Fans mit Klassikern wie "Hotel California" und "Jailhouse Rock"
 

Zum Abschluss noch ein Foto vom Wäscheschrank des Hotels: hier ist die Welt noch in Ordnung, hier wird noch mit Gift geputzt - entfernt wirklich alles...


Dank den Empfehlungen aus dem Reiseführer nun zu den Dingen die man in Hanoi noch machen kann: abwarten und Tee trinken...

In meinem Falle ein "Drachenaugentee" - das einzige auf der Karte, von dem ich so gar keine Ahnung hatte, was auf mich zukommt... und weil ich neugierig bin, hab ich es bestellt, ein paar Sprüche gemacht, wieviele Augen denn am Ende in meiner Tasse schwimmen werden und letztendlich kurz gestutzt, als dann tatsächlich kleine Kugeln im Tee waren... es könnten Litschis gewesen sein... (wenn nicht - dann waren die Augen überraschend lecker...)

Es gibt auch einen Laden, der Eierkaffee anbietet: klassischer Kaffee, darin Milch, drei Eiswürfel und ein rohes Ei... vermischen und fertig... und ja ich, der sonst keinen Kaffee trinkt, habe es probiert und für trinkbar befunden ;-)

Auch ein Abenteuer: Bus fahren... C. war irgendwann der Verkehr zuviel und statt Laufen wollten wir einen Bus nehmen. An einer sehr großen Bushaltestelle warteten wir auf den richtigen Bus (den wir mit Hilfe des Reiseführers und unserer ausgezeichneten Orientierung gefunden hatten). Während der Wartezeit kamen immer wieder Einheimische und wollten uns mit dem Mopedtaxi irgendwo hinfahren. Interessanterweise wollte man uns auch glaubhaft machen, dass der Bus nicht fährt...während hinter uns Bus um Bus angerauscht kam... netter Versuch...5 Minuten und 20 ct später waren wir im richtigen Bus...
 
Zu erwähnen wäre noch die hohe Militärpräsenz in der Stadt. Überall Uniformierte...unter deren strengen Augen das öffentliche Leben abläuft. Wir kamen nur einmal direkt in Kontakt mit ihnen: Unser Hotel hatte uns eine Stadtkarte gegeben, auf der nicht alle Straßen eingezeichnet waren... was dazu führte, dass wir auf einmal mitten in der Stadt vor einer Kaserne standen und laut Karte eigentlich woanders sein sollten. Da der gemeine Mann generell nie nach dem Weg fragt, bin ich jede mögliche Straße im Umkreis auf der Suche nach Straßenschildern abgelaufen... C. hingegen hat es gleich richtig gemacht: einfach einen der doch sehr freundlichen Soldaten nach dem Weg fragen. So fanden wir dann auch wieder den richtigen Weg zurück zum Hotel.

Samstag, 3. Dezember 2016

Entropie reloaded

URLAUB! ENDLICH! 

Dieses Mal wieder in Asien und auch dieses Mal bin ich nicht allein unterwegs. Mit einer langjährigen Freundin, nennen wir sie aus Gründen des Datenschutzes "C.", mache ich mich auf die Reise nach Vietnam...

Vietnam...Land auf dem Sprung...Perle Indochinas...Abenteuer...Viele Beschreibungen treffen auf das zu, was einen erwartet...

Bevor ich zu den einzelnen Orten der Reise komme, fange ich mit ein paar allgemeinen Punkten an...

Aus der fanzösischen Kolonialzeit ist neben vielen Gebäuden auch die Schrift erhalten geblieben: als einziges Land in Asien verwendet man hier romanische Buchstaben. Diese werden mit diversen Akzenten und Stimmhöhenangaben versehen, man scheitert hier beim ersten Versuch der korrekten Aussprache kläglich. Trotzdem erleichtert es einem die Orientierung ungemein.

2014 habe ich aus La Paz (Bolivien) geschrieben, dass dieser Ort die Quelle aller Unordnung auf der Welt sein muss... wie sagt man im Englischen so schön "little did I know" (ich hatte ja keine Ahnung) ... gegen den Straßenverkehr in Hanoi oder Ho Chi Minh Stadt war Südamerika regelrecht Kindergarten. Die großen Städte bestehen im wesentlichen aus Mopeds...egal was man an anderer Stelle sehen/lesen kann - Mopeds und Roller überall. Unbestätigten Gerüchten zufolge kommen auf 90 Millionen Einwohner 60 Millionen angemeldete (!) Roller...merkt man...irgendwie...



 Hier lauern sie schon in der Seitenstraße:

  
Baustelle? Straße gesperrt? Kein Problem - für was gibt es den Bürgersteig? Rollerfahrer sind auch nur Bürger auf einem Roller...


In den seltenen Fällen, in denen so ein Moped mal nicht zum Fahren genutzt wird, ist es auch eine bequeme Liege:


Wenn man mal von diesem Sonderfall absieht, dienen die Zweiräder vornehmlich der Fortbewegung, aber auch dem Transport von allen (wirklich ALLEN) möglichen Gegenständen. Hier eine kleine Liste dessen, was transportiert wurde:
  • eine weitere Person
  • zwei weitere Personen
  • drei weitere Personen
  • vier weitere Personen
  • aus Platzgründen lasse ich das Hochzählen...bis zu 40 Hühner
  • bis zu drei Hunde
  • eine Suppenküche
  • geschätzte drei Tonnen Bauschutt
  • mehrere Fenster
  • ein halber Blumenladen
  • eine lebende Kuh
  • Werbetafeln

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit...leider kamen wir nicht dazu, Fotos davon zu machen, das ging alles viel zu schnell...

Und als wäre das nicht schon genug, quälen sich zwischendrin  Autos, Busse und Lastwagen durch die Gassen. Dem gestressten Ohr fällt direkt auf: die Hupe wird hier pausenlos genutzt. Als Deutscher, der mit einem halbwegs geordneten Straßenverkehr aufgewachsen ist, muss man auf den Straßen einer vietnamesischen Großstadt alles über Bord werfen, was einem in der Heimat zeitlebens im Elternhaus, der Schule und der Fahrschule eingemeißelt wurde.
Während das Betätigen der Hupe in Deutschland meistens dazu dient, in Verbindung mit allerlei verbalen Stilblüten ("Arschloch" etc.) und wildem Gestikulieren (u.a. dem internationalen Zeichen für "ich bin wenig erfreut über dein Handeln", dem Mittelfinger) dem Rivalen im Straßenverkehr sein (subjektives) Fehlverhalten zu verdeutlichen, bedeutet Hupen in Vietnam "Achtung, ich bin auch noch da". Da hier jeder fährt wie er will, ist das auch gar nicht mal so schlecht für die Rollerfahrer.

Damit dies alles ohne Probleme läuft, braucht es natürlich auch feste Regeln:

1) Es herrscht Rechtsverkehr - theoretisch - dient aber nur als grobe Orientierungshilfe, denn wenn es schnell gehen muss, wird auch schonmal unter Hupen auf der falschen Straßenseite gefahren 

2) Es gibt eine fest eingezeichnete Anzahl von Fahrspuren - diese stellt allerdings nur das Minimum dessen dar, was in der Praxis umsetzbar ist. In der Regel fahren bei zwei Spuren je Fahrtrichtung vier Autos und mindestens genauso viele Mopeds nebeneinander (unter eifriger Nutzung von Regel 1 versteht sich)

3) Es gibt Ampeln - diese dienen ebenfalls allenfalls der groben Orientierung. Wenn gerade kein Kreuzungsverkehr kommt, wird auch bei Rot gefahren. Ampeln haben einen Countdown, der anzeigt, wie lange rot oder grün ist. 10 Sekunden bevor die Rotphase zuende ist, fahren die meisten schon wieder und reihen sich in den bereits fließenden Verkehr ein. (wenn vorher überhaupt gestoppt wurde...)

4) Es gibt Zebrastreifen - diese wurden aller Wahrscheinlichkeit nur dazu aufgepinselt, um der heimischen Farbenindustrie Aufträge zu sichern. Zebrastreifen sind immer auch ein Treffpunkt von Touristen, welche verzweifelt und vergeblich darauf warten, dass irgendwer anhält.

Was tun, wenn man nun auf die andere Straßenseite muss? (was gar nicht so selten passiert)
Am besten macht man es wie die Einheimischen: einfach losgehen - klingt komsch, ist aber so - der Verkehr fließt einfach um einen herum. In der Regel passiert auch nichts, da alle Verkehrsteilnehmer dieses Verhalten antizipieren. Wer stehen bleibt verliert. Man könnte es fast "Schwarmintelligenz" nennen.

Was fällt sonst noch auf:




  • Es gibt überall WLAN
  • Straßenhändler preisen ihre Ware nicht mehr nur mit der eigenen Stimmkraft an, Kassette und Lautsprecher sind der neuste Schrei (und dieses Wortspiel passt so unglaublich gut) bis tief in die Nacht laufen die fleißigen Verkäufer mit ihren zu Nudel- und Suppenküchen umfunktionierten Fahrrädern/Mopeds durch die Gassen und beschallen die Umgebung...
  • Verständigung ist umständlich, zwischen ein paar Brocken Englisch, Französisch und Händen und Füßen klappt aber am Ende doch irgendwie alles...
  • Die Fassade des real existierenden Kommunismus glitzert - daneben und dahinter bröckelt es allerdings:


  • Man ist nicht so wirklich auf Menschen über 1,70m Körpergröße vorbereitet.
  • Auch wenn romanische Buchstaben genutzt werden, birgt die westliche Sprache so einige Stolperfallen:
"Trink ich jetzt nen Margarita, nen Margatita oder nen Margatira?"
 
  • Offensichtlich fehlt jegliches Bewusstsein für sowas wie "Umweltschutz"
  • Nie war es so einfach, Millionär zu werden. 1 Euro entspricht 24.000 Dong
  • Sämtliche Verkabelung wird eher kreativ verlegt:

 Dieser Pfosten wird eigentlich nur noch durch die Kabel gehalten...


  • Man ist noch immer mächtig stolz darauf, dass man damals die Amerikaner aus den Land gejagt hat:



Soviel für den Anfang...


Auf das ein oder andere Thema werde ich sicher nochmal zu schreiben kommen...

Donnerstag, 20. August 2015

Kronismus

Zum Auftakt mal was ohne Bilder...

Ich packe meine Koffer und nehme mit: maximal 10kg Handgepäck...Ziel dieses Mal: Mallorca, des Deutschen liebste Baleareninsel, die man vorurteilsmäßig als Sammelbecken überwiegend deutscher Pauschal- und Sauftouristen kennt. Zeitweise als das 17. Bundesland tituliert und wo trinkfreudige Kegelvereine und perspektivlose Provinzfußballer sich regelmäßig einmal im Jahr die Hirnzellen mit einer Flüssigkur rausspülen.  

Warum will ich gerade da hin??? Zusammen mit drei anderen Kletterbegeisterten habe ich mir vorgenommen, die Steilwände an den Küsten von Mallorca unsicher zu machen. Weit ab von den genannten Zuständen. Zwischen mir und dem Ziel stand dann aber immernoch die Reise mit dem Flugzeug von einem kleinen deutschen Regionalflughafen. Zusammen mit meinem Kumpel Youri wartete ich also Sonntags morgens um halb sechs auf den Flieger...und während wir so warteten, füllte sich die Abflughalle mit illustren Gestalten. Da wir getrennt eingecheckt hatten, saßen wir auch nicht nebeneinander und somit erhöhte sich das potenzielle Risiko, neben einem Idioten zu sitzen. (eine konstant schwelende Angst, die ich irgendwie vor jedem Flug habe) Das Dumme an der Sache: je näher der Abflug rückte, desto mehr "Reisegruppen" aus den Sektoren "Kegelclub" oder "Fußballverein" fanden sich in der Abflughalle ein. Vielleicht war auch die ein oder andere Landfeuerwehr dabei, die vorrangig den eigenen Durst löscht. Leute, deren Horizont maximal bis zum Boden der Stubbiflasche reicht ...und die Aufdrucke auf den eilig angefertigten Tshirts bestätigen das Ganze. Meine persönlichen Highlights waren "Trippertina" und "Mösenmagnet"...es sei angemerkt, dass beide Träger offensichtlich entweder Maskottchen ihrer Mannschaft oder bedingt durch eine gewisse beim Fußball sicher nicht vorteilhafte Leibesfülle auf der Ersatzbank zu finden sind. Eine unterschwellige Ironie war nicht zu leugnen...Sowohl Youri wie auch ich hatten Glück und blieben mehr oder weniger verschont. Neben mir saßen zwei Französinnen und der Fußballverein dafür ein paar Reihen vor mir. Kaum war der Flieger in der Luft, wurde der zuvor im Duty Free Shop erworbene Jägermeister ausgepackt - bis nach fünf Minuten die Stewardess das ganze unterbinden konnte... was nicht wirklich für Freude sorgte...auf die Frage, ob es denn auch Bier an Bord gäbe, konnte die Stewardess ein Lächeln auf die von Durst geplagten Gesichter zaubern: Für den attraktiven Sparpreis von 41,50 für neun Dosen war kurz wieder Ruhe eingekehrt... Ernüchterung (...) folgte, als eine andere Stewardess mit neun 0,33er Dosen kam... in der Not frisst der Teufel Fliegen und der Fußballer leert kleine Dosen.

Die erste Runde war schnell geleert und die zweite ebenso schnell geordert...Eine nicht zu übersehende, natürliche Verpeiltheit und der Alkohol verstärkten sich gegenseitig und so dauerte es keine zehn Minuten, bis die erste Dose umgekippt im Gang lag und der Lautstärkepegel stetig stieg... Gespräche wie "ey, in swei Stunden is häppi haua im XY, da gehma hin, danach machn ma n paar Weiber klaaa" sowie ein ständiges Wechseln der Sitzplätze und Tauschen der Dosen sorgten für schier unendlichen Gesprächsstoff... Gepflegter Alltagsrassismus wie "ey welcher Jude hat sein Kaugummi an meine Dose geklebt???" kam dabei auch nicht zu kurz...

Sollten die Jungs es wirklich bis zur Party schaffen? Frauen, die mit "Trippertina" und "Mösenmagnet" und zwei Promille aufs Zimmer gehn, müssen schon sehr verzweifelt oder blind oder beides sein...naja...jeder wie er/sie will. Kurz drauf kam wieder die Stewardess und forderte die Jungs auf, die Dosen zu leeren...es sei jetzt mal genug - verständlich, dass dies auch nicht gerade für Erheiterung sorgte. Wer jetzt denkt, dass ohne Bier der Flug leiser würde, der täuscht sich: Tiefpunkt des ganzen war das "Penisspiel" ... wer am lautesten "Penis" brüllen kann, gewinnt... nach zwei endlos langen Stunden im Flugzeug waren wir endlich am Ziel und die Sonne lachte zur Entschädigung...nur irgendwie hatte ich das Bedürfnis, mir den Kopf an einer Wand einzuschlagen...

Immerhin: Jetzt kann ich nachvollziehen, warum manche Tiere ihren Nachwuchs fressen... was man auch "Kronismus" nennt...  

Sonntag, 18. Januar 2015

vorletzte Worte

Nun sind sie also vorbei...vier Wochen Urlaub am Stück...ein Kontinent von West nach Ost...immer auf der Suche nach...ja...wonach eigentlich?

Es gibt seit einiger Zeit in sozialen Netzwerken das Phänomen dieser unsäglichen Kalendersprüche, die möglichst majest- und ästhetischen Bildern prangen...und oft mit einer bescheuerten Schriftart und mit noch bescheuärterän Reschtchreibfehlan... und in den meisten Fällen versauen sie ein eigentlich recht schönes Foto... man postet dann diese Fotos als Zeichen persönlicher Stärke oder ... Langeweile (?)
 
Eines dieser Bilder hing in einem der vielen Hostels an der Wand...und im Rahmen der ganzen Warterei kam ich nicht umhin, den Spruch zu lesen:

"echte Touristen haben keine Ahnung, wo sie letztens gewesen sind - echte Reisende haben keine Ahnung, wo sie als nächstes hinkommen"

Trifft es eigentlich ganz gut... auch wenn wir immer wussten, wo wir am nächsten Abend schlafen werden und einen recht groben Plan hatten... aber trotzdem wissen wir auch, wo wir letztens gewesen sind...

Zusammenfassend kann man sagen, dass Südamerika auf jeden Fall eine Reise wert ist... vielleicht hatten wir einfach nur Glück und ich weiß, ich wiederhole mich, aber es gab keinerlei Probleme mit Kriminalität...nichts wurde geklaut und auch ohne dass wir nach Hilfe fragten: man stand kaum zwei Minuten etwas ratlos an einem Schild und wurde direkt angesprochen... Wir haben jetzt vier Länder besucht...jede Menge weitere warten noch darauf... und rückblickend muss man sagen, wir haben uns zuviel vorgenommen...mit deutlich weniger Wegstrecke hätten wir auch deutlich entspannter reisen können... aber egal...die Erfahrung haben wir gemacht - nächstes Mal wirds besser...

Denn was man nicht unterschätzen sollte, sind die Entfernungen in Kombination mit der Infrastrutur vor Ort... in Deutschland ist man in der komfortablen Situation, dass zumindest bei Zügen ein Fahrplan existiert, bei dem in jede Richtung mehrmals pro Tag ein Zug fährt... hat man einen verpasst, wartet man auf den nächsten...

In Südamerika gibts erstmal kein nennenswertes Eisenbahnsystem - Bus und Flugzeug sind die Verkehrsmittel dort... und in der Regel fährt ein Bus zweimal am Tag... morgens früh und oft nochmal mittags... nur die großen Städte werden auch über die Nacht angebunden... wenn man da einen verpasst hat - Pech... es geht erst am nächsten Tag weiter... hinzu kommt: die Straßen sind auch nicht die besten (sofern überhaupt existent) und im Durchschnitt kommt der Bus dann auf 60km/h ... und so kommt einiges zusammen, wenn man mal eben 500km vor sich hat...

A propos Straße: wer dachte, Italien oder Spanien hätte schreckliche Verhältnisse...NEIN...in Südamerika wird gefahren, wo Platz ist und mangels TÜV oder sonstigen Institutionen wird auch mit allem gefahren, was Räder hat...

Gefahren wird übrigens auch oft mit Gas und Salatöl, deshalb manchmal etwas gewöhnungsbedürftige Orte für den Tank... das unten gezeigte Gefährt hatte vier verschiedene Räder, fuhr mit Gas und musste nach jedem Ausschalten des Motors angeschoben werden...scheinbar ein Dauerzustand, denn die beiden Fahrer legten eine gewisse Routine an den Tag...



Dieses Bild hatte ich schonmal ganz am Anfang gezeigt, es verdeutlicht aber wunderschön die Mentalität der dortigen Autofahrer: wer die dickste Hupe hat, gewinnt... vorausschauendes Fahren ist nicht... 


Und DAS ist das EINZIGE wovor der gemeine südamerikanische Autofahrer zumindest einen Funken Respekt hat: Geschwindigkeitshubbel... oder auch "Bremsschwelle" wie der fachlich korrekte Terminus ist ("eine quer zur Fahrtrichtung angeordnete bauliche Erhebung auf der Fahrbahn, die zu einer Geschwindigkeitsdämpfung führt und damit zur Verkehrsberuhigung beitragen soll." vgl. die unzitierbare Quelle Wikipedia)


Was konnte ich sonst noch in keinem bisherigen Bericht unterbringen?

...

Diese Kiste fanden wir bei einer Sicherheitskontrolle nach dem Flug am Flughafen von Iguazu...sie zeigte, welche Gegenstände man nicht mit nach draußen nehmen durfte... (warum die dann erstmal mit im Flugzeug waren, interessiert nicht) 
Was die Sache eigentlich erst richtig interessant machte: die kleine Tür unten sieht nicht nur offen aus...   


Es lässt sich auch ein Trend hin zu qualitätiv hochwertigen Fernsehprogramm feststellen, welcher sich auch im Alltag bemerkbar macht...


Der Deutsche an sich ist ja mit Bier vertraut... Standardgröße für Bierflaschen ist ja irgendwie die 0,33er Flasche...ob als Stubbi oder Longneck... Auch kennt man hier 0,5er Flaschen...

In Südamerika gibt man sich nicht mit Kleinkram ab... hier gibts standardmäßig 0,9l ...dagegen sieht die 0,3er Dose schon ein bisschen mickrig aus... Prost! 


Kunsthandwerk wird in Südamerika mit sehr viel Liebe zum Detail betrieben...hier die Lamadecke, die uns in Copa Cabana vorm nächtlichen Erfrieren rettete...sie war so schwer, dass die Kälte einfach gar nicht unter die Decke kam...sie drückte einen direkt tief in die Matratze... Wenn Lamawolle im Originalzustand auch so schwer ist, muss man geschorene Lamas sicherlich festbinden...sonst fliegen die wie Heliumballons weg...


Mit viel Liebe zum Detail sorgten auch manche Hostels dafür, dass man seinen Schlüssel nicht vergisst: Schäfchen und Lamachen...


Freunde alter Autos kommen in Südamerika auf ihre Kosten...zwar sind nicht alle so gut in Schuss, wie diese Käferparade hier...(abgesehn von der lädierten Front des ersten Autos) ... aber so mancher gepflegte Oldtimer rollt noch durch die Straßen...


Linie Aquavit reift, indem er im Inneren von Schiffen den Äquator kreuzt... hat also eine halbe Weltreise hinter sich, wenn er die Kehlen durstiger Menschen wärmt... Zu meiner Überraschung hatte ich eine Banane aus Kolumbien, die ich in Deutschland gekauft hatte, im Gepäck...wieder in ihrer Heimat angekommen, wurde sie feierlich verspeist... "Linie Banavit" quasi ... (ja, der war schlecht...)


Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntermaßen das Leben oder er bekommt keinen Fensterplatz mehr... so wie ich... aber was solls... mit Hilfe der Bordmagazine entsteht hier der täuschend echte Eindruck einer Reise ins All... da können die anderen nur träumen von... 


kommen wir zu den proklamierten Verhaltensregeln für Banken in Lima:

verboten sind Schusswaffen (offensichtlich nur kleinkalibrige...aber wir wollen hier mal keine Korinthen kacken...), nicht-touchscreenige Handys und Rauchen... soweit...von mir aus...  


In der nächsten Bank durfte man ebenfalls keine Handys oder Zigaretten nutzen... Sonnenbrillen und Kappen waren auch verboten... und äh...


Es bleibt die Frage, ob die Abwesenheit eines expliziten Verbots den Gebrauch gewisser Gegenstände legitimiert... wo sind die Juristen wenn man sie braucht? 

Und überhaupt: wo ist eine Wäscheleine, wenn man sie braucht? Zum Glück sind wir handwerklich begabt und können auch einfache Terrassenmöbel verwandeln...


 Stichwort "Pragmatismus":  auf diesem Bild sieht man sehr schön, dass "Ladungssicherung" auch in Bolivien groß geschrieben wird: das Fass wurde erst mit den Pappkartons gesichert...als aber nach Anfahren des Zuges die Trägheit des Fasses die Haltekraft der Kartons überstieg, hat man kurzerhand vier Steine genommen...



Und wenn mal nichts geht: Billard geht immer...gerade am Stoßen: der amtierende internationale argentinische Meister...


Und J. schaut sich den Billardtisch an... (uh...Spoileralarm ;-) )

  

Samstag, 10. Januar 2015

Touristas im Nebel

Nun brechen die letzten Tage unserer Reise an...und wie immer hat man dieses berühmte lachende und weinende Auge...einerseits möchte ich weiterhin reisen und neue Orte und Menschen kennenlernen...andererseits hat das Nomadenleben doch auch kleine Schattenseiten...was ich definitiv vermisse: die Möglichkeit, genau dann zu kochen, wenn ich will...und vor allem was ich will... na egal...kommt früh genug...

Für den Trip von Ilha Grande nach Rio haben wir uns ein Paket gegönnt, welches uns direkt vor die Haustür des Hostels chauffiert...ein bisschen Luxus muss man sich auch mal gönnen, zumal es die letzten Tage in Südamerika sind...

Leider hat uns das eher durchwachsene Wetter stetig verfolgt...und ist auch etwa in gleicher Geschwindigkeit wie wir gereist...vor uns blauer Himmel und hinter uns diesige Nebelschwaden... die zeitgleich mit uns in Rio ankamen... 

Da einige Mitreisende auch unter anderem zum Flughafen gefahren wurden, bekamen wir obendrein noch eine kleine Tour durch die Stadt...die im Nebel fast nichts mit der schillernden, quietschbunten Sambametropole gemein hat, die man allerorten präsentiert bekommt...

Auch in Rio mischen sich Neubauten und renovierte Altbauten im Stadtbild und sorgen für ein vielfältiges Durcheinander in den Häuserschluchten...wir nutzten die Gunst der Stunde und nahmen an einer kostenlosen Wandertour durch die Stadt teil...es gibt viel zu sehen...



Aber es gibt sie noch: die kleinen Gassen in den alten Stadtvierteln...zwar ein wenig dreckig aber meist noch recht ursprünglich  gehalten...



Im Vordergrund: das Aquädukt mit der (vorübergehend eingestellten Straßenbahnlinie obendrauf) und im Hintergrund das nach oben zulaufende Gebäude: eine Kirche...die sechs kleine ersetzt und laut Fremdenführerin Platz für 20000 Besucher bietet


Nicht alles war top restauriert...aber versprühte doch irgendwie einen ganz eigenen Charme...


Höhepunkt der Tour war die berühmte Treppe des Künstlers Jorge Selaron...wie viele große Künstler wandelte er auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn...und wurde leider 2013 tot auf den Stufen seines Lebenswerkes gefunden... es halten sich Gerüchte von Mord bis Selbstmord...wirklich aufgeklärt wurde der Tod aber angeblich nicht...

Hier ein paar Bilder der Treppe: er hat über 2000 verschiedene Kacheln angebracht und teilweise wurden ihm die Kacheln auch aus aller Welt mitgebracht...


Ein meiner Meinung nach sehr schönes Motiv:


Auf den Stufen herrscht eigentlich IMMER Hochbetrieb...hier aktuell eine Showeinlage einer örtlichen Tanzschule...


Und nun zum völkischen Rätsel: wo ist die deutsche Kachel???


Rischdisch... hier ist sie: (interessanterweise mit einem Sprung versehen, der unsere südlichen und Teile der östlichen Landeswappen etwas separiert... erste Vorboten für eine Abspaltung einer Südostdeutschen Allianz? - Ein Fall für Galileo Mystery!)


Aber nicht nur die Treppe ist kunterbunt, auch die Häuser im Umfeld hat man farblich "angepasst"...


Klares Bekenntnis:


Nächstes Ziel der Erkundungstour sollte der Zuckerhut sein...den konnte man mit Hilfe zweier Seilbahnen erklimmen...das Wetter sah alles andere als vielversprechend aus:

Egal - aus der Gondel heraus, das das dann so aus: ein wenig nebelverhangen und die Wolken trugen auch noch ihren Teil dazu bei...

Was natürlich toll war: wenn grad kein Nebel die Sicht verhagelte, war das Panorama schon schön:




Hier ein Blick auf die berühmte Copa Cabana...menschenleer trotz 25° C im Tal...


das obligatorische Beweisfoto: später am Abend sind wir auch nochmal zu Fuß am Strand entlang...wir waren fast die Einzigen... ein bisschen schade


Und wenn die Wolken ganz doof stehn...dann sieht man den Gipfel auch nicht mehr...


Auch von Rio haben wir übrigens diverse Schauermärchen gehört...und gelesen...und auch hier waren wir nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs...auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln...

hier drei Fotos von der Copa Cabana...direkt am Strand:




Wir haben in den Strandbars der Einheimischen unsere Skatrunden abgehalten...und auch hier wieder: es ist nichts passiert... schätze mal, das hat nur teilweise was mit dem berühmten "Dummenglück" zu tun...wir sahen durchweg nur ganz selten aus wie Touristen...klar, man sieht uns an, dass wir Gauchos sind, aber der konsequente Noname Auftritt haben schon von weitem signalisiert: da ist nix zu holen...

Am Abend sind wir noch ein wenig zur Partymeile spaziert...haben erfolglos versucht, ein Konzert zu besuchen und wurden in einer Bar zurecht gewiesen, weil wir Karten gespielt haben... verständlich - wenn die Gäste anfangen, Karten zu spielen, dann signalisiert das potenziellen Gästen, dass es langweilig in der Bar ist... solch ein Verhalten kann und darf natürlich nicht toleriert werden... von beiden Parteien versteht sich...und so sind wir dann auch direkt wieder gegangen...

Rio ist selbstverständlich viel mehr, als nur Samba, Sonne und gute Laune...auf der Wandertour haben wir auch viel über die Geschichte erfahren und viele Orte gesehen, die der Pauschaltourist wohl nicht auf der Agenda hat...

am 27.11. um 23:55 hob pünktlich der Flieger mit dem Kranich ab...Adios Südamerika - Guten Tag Deutschland!