Sonntag, 7. Dezember 2014

Viva la Inflation!

Auf Grund der bereits erwähnten Blue Markets sind die offiziellen Wechselstuben in argentinischen Städten wie leergefegt...andererseits sollte man als Tourist auch nicht versuchen, sein Geld aus den Geldautomaten der Banken zu holen...es ist ein äußerst zeitraubendes Unterfangen: schon früh morgens bilden sich lange Schlangen vor den Banken, die oft auch einmal um den Block reichen (leider kein Weitwinkelobjektiv um das einzufangen):



Argentinische Speisekarten sind ebenfalls speziell: in einem Restaurant hatten wir drei Varianten mit drei verschiedenen Preisen...natürlich war der teuerste auch der aktuellste Preis...viele Speisekarten haben auch Sticker im Preisbereich um den jeweiles letzten, nicht mehr aktuellen weil zu niedrigen Preis zu überkleben...auch hier gab es Exemplare, die über fünf Lagen Sticker verfügten...am einfachsten machten es die Restaurants, die einfach keine Preise mehr auf die Karten schrieben...fragen war hier die Devise... dieser Umstand führte auch dazu, dass mein Lonely Planet Reiseführer vom August 2014 (neben einigen anderen Unzulänglichkeiten) auch komplett falsche, da zu niedrige, Preise proklamierte... 

Ähnlich verhält es sich mit Supermärkten und Läden: Preisschilder sucht man oft vergebens...mancherorts sind sie schon von schwarzen Tafeln abgelöst, auf denen mit Kreide oder weißem Stift der Preis angepasst wird...

Trotz allem halten sich hier Casinos: 


"Golden Dreams" - wahrhaftig...man stelle sich einmal vor, man geht mit 1000 A$ rein, setzt beim Roulette auf eine Zahl und -Surprise!- gewinnt dann auch noch... man bekommt das 35fache plus Einsatz zurück...36000 A$ ... und hat dank Inflation weniger als vorher... scheiße war´s ... ausgeträumt der goldene Traum...

Wir jedenfalls haben das Casino nicht betreten, sondern immer unauffällig die Cambios gesucht... lustigerweise stört es nicht mal mehr die Polizei, wenn die Wechselgeschäfte auf offener Straße ausgehandelt und abgeschlossen werden...

Ein kleiner Vorgriff: während in den kleineren Städten alles unkompliziert auf offener Straße abläuft, war der Geldtausch in Buenos Aires fast schon filmreif: B. und ich machten uns auf zur Hauptstraße der Geldwechselgeschäfte -Florida Street- und anders als in den kleinen Städten sahen hier die Cambio-Schreier etwas ... naja... unseriös aus... wir entschieden uns nach ein paar Minuten flanieren für denjenigen, der die wenigsten Goldkettchen und das am weitesten zugeknöpfte Hemd anhatte... dieser Geschäftsmann führte uns dann zu seinem Partner oder Chef... dort holte er sich einen Schlüssel und gab uns zu verstehen, dass nur einer beim Tausch erlaubt sei...da ich gerade das Geld hatte, ging ich mit ihm mit...es folgte eine kleine Tour in einem Aufzug, hin zu einem fensterlosen Büro im vierten Stock... während all der Zeit drehte er mir nicht den Rücken zu - ich ihm im Gegenzug auch nicht... er führte mich in sein Büro, auf dessen Schreibtisch mehrere Tausenderbeträge in verschiedensten Währungen lagen... die erhaltenen Pesos prüfte ich fachmännisch so, wie jeder Kassierer, dem ich sie bisher gegeben hatte (ins Licht halten, Wasserzeichen suchen und dabei einen souveränen "wissen-was-man-macht" Blick aufsetzen) ... meine Euros wurden von der Gegenseite ebenfalls eingängig geprüft und für akzeptabel befunden - damit war die Transaktion beendet... ebenso wortkarg wie die Anreise war auch die Abreise...


Freitag, 5. Dezember 2014

Viva Argentina!

Unser Nachtbus fuhr pünktlich aus Uyuni ab und eigentlich war es kaum möglich, aber die Straßenverhältnisse wurden NOCH schlechter...mit abermals 70km/h rüttelte der Bus über die unendlichen Weiten der bolivianischen Einöde und verteilte unentwegt Schläge gegen den gesamten Körper...nach gut 45 Minuten Fahrt nutzte ich eine Pinkelpause um mal kurz die frische Luft zu nutzen...mal den Sternenhimmel genießen...kleiner Taktgeber für den Puls: die anderen fünf Aussteiger waren gerade wieder eingestiegen...da gehn die Türen zu und der Bus setzt sich langsam in Bewegung...ohne mich wohlgemerkt...zum Glück kann ich auch nachts unter widrigen Umständen einen Sprint in Wanderschuhen hinlegen...ging gerade nochmal gut! Meine dezenten Schläge gegen die Beifahrertür wurden erhört. Dankenswerter Weise stand drinnen schon J. im Gang um dem Busfahrer mitzuteilen, dass noch jemand fehlt... in der Nacht fand ich keinen Schlaf mehr sondern erlebte das Erreichen der Grenzstadt Villazon mehr im Dösen. Der Bus wurde schlagartig geentert von Marktschreiern, die den Leuten Taxis und Busse weiter nach Argentinien verticken wollten...genau DAS braucht man nach so einer Nacht. Wir packten die Sachen zusammen und machten uns auf zu Fuß durch den langsam erwachenden Tag der die fröstelnde Nacht vertreibt...Ziel: die Grenze, die in zwei Stunden öffnen sollte.


Einheimische und Straßenhunde störten sich nicht großartig an den geschlossenen Gittern der beiden Übergänge...allerdings wollten wir nicht unbedingt negativ auffallen und warteten brav, bis man auch offiziell passieren durfte...


Mit ähnlicher Gleichgültigkeit wie bei der Einreise wurden wir aus Bolivien ausgestempelt und mit ähnlicher Verwunderung ob der gewissen Differenz der aktuellen Erscheinung und des Passfotos wurde ich in Argentinien mit einem "Bienvenidos" begrüßt... überraschenderweise wollte keiner unser Gepäck checken... 

Und wieder zu Fuß machten wir uns nun auf argentinischer Seite in La Quiaca auf zum Busbahnhof um ein Ticket nach Salta zu bekommen. Nach ein paar Minuten Suchen fanden wir besagten Busbahnhof und konnten auch ein Ticket ergattern...die Fahrt allerdings endete abrupt vor den Toren der Stadt: brennende Straßensperren verhinderten ein Weiterkommen mit dem Bus. Die ATE streikte - ATE vertritt die Staatsbediensteten in Argentinien und die waren irgendwie ein bisschen aggro drauf...


In der Fahrschule hatte ich mal gelernt "alles, was unter die Stoßstange passt, kann überfahren werden" ... die bisherige Autofahrermentalität in Südamerika hätte mich eigentlich erwarten lassen, dass der Busfahrer kurz hupt und dann die Protestler über den Haufen fährt...Fehlanzeige!

Uns wurde eine Nummer genannt...samt dem Hinweis "lauft" ... 200m weiter standen dann weitere Busse, die dann die Flüchtlinge aufnahmen und weiter ins Landesinnere transportierten... guter Start... zumal nach gut einer Stunde Fahrt eine weitere dieser Straßensperren für eine weitere Stunde Verzögerung sorgte...wenigestens konnte man da ein bisschen Schlaf nachholen...

Die Landschaft änderte sich im Laufe der 375km sichtlich: wir begannen mit kargen Hochland, fuhren langsam in grünere Gefilde, dann durch den Regenwald und letztendlich in gemäßigten Breiten:


Weiterer ungeplanter Zwischenstopp: irgendwo im Nichts wurde der komplette Bus von der Militärpolizei geräumt. Sämtliche Insassen mussten samt Gepäck zur Durchsuchung antreten...den ein oder anderen verleitete das dazu, im Freien vor dem Gebäude noch schnell eine "Zigarette" zu rauchen... total unauffällig versteht sich... die Grenzbeamten waren von unseren Biervorräten erheitert und ansonsten konnten wir unbehelligt weiterreisen... wieder so ein Stop den keiner braucht... und ein Bett rückt in weitere Ferne...

zurück zu entspannenden Landschafsbildern:




Willkommen in Salta... wir waren keine fünf Minuten auf der Straße unterwegs, da reckte man uns schon den ersten Arm zum Hitlergruß entgegen...Viva Argentina! Was gibt es über Argentinien sonst noch Wissenswertes? Von den Simpsons wissen wir, dass Juan Peron ein konsequenter Führer war und mit Madonna verheiratet war: VIDEO (spanisches Intro, danach nur noch bis Sekunde 35 interessant) Darüber hinaus gibt es den sogenannten "Blue Market". Hier kann man ausländische Devisen zu einem weit über dem offiziellen Kurs liegenden Verhältnis tauschen...je größer und je amerikanischer die Scheine, desto besser... statt 8:1 ist 13:1 machbar... die auffällig unauffälligen Männer und Frauen mit dicken Brieftaschen reden nur von einem: Cambio (Tausch) und wenn man sich tauschbereit zeigt und Menge und Währung kundgetan hat, kriegt man mündlich oder per Taschenrechner die Rate...ab und an bringt auch Handeln ein wenig... und schon hat man Argentinische Pesos... und zu guter Letzt soll es hier ja auch die besten Steaks der Welt geben...wir waren gespannt...


 

Montag, 1. Dezember 2014

weiß!



Nach der Verabschiedung von Mark steht der anstrengendste Teil der Reise bevor: zwei Nachtbusfahrten um von La Paz (Bolivien) nach Salta (Argentinien) zu kommen. Unterwegshalt wird Uyuni sein. Dort werden wir die berühmte Salzwüste besuchen, ihreszeichens größte der Welt. Teil 1 der Odyssee startet um 21:00 Ortszeit in La Paz: Man führt uns in einen recht ansehnlichen Reisebus, die Fahrt geht los, man serviert uns ordinäres Flugzeugessen (welches die eh schon recht niedrig liegende Limbostange der durchschnittlichen "Gaumenfreude" Geschmacksskala gewissermaßen aufrecht gehend unterläuft) und auf den beiden Bildschirmen läuft ein Film, der bei jeder kleinen Bodenunebenheit aussetzt (und davon gibt es auf bolivianischen Straßen ins Hinterland schon ein paar mehr…) Nach etwa der Hälte der Fahrt wechselt der Straßenbelag von Asphalt auf „nicht vorhanden“ und die Fahrt mit Tempo 70 über die Steinpiste wird zur Belastungsprobe für Mensch und Material. Es wäre interessant gewesen, seismische Gerätschaften aufzustellen, um die Aktivitäten des Busses in ein Verhältnis zu setzen… ich für meinen Teil hatte zu dem Zeitpunkt meine eh schon nicht tiefe Schlafphase verlassen und versuchte, nicht von Sitz gerüttelt zu werden…95% der restlichen Insassen waren von den Umständen weniger bis gar nicht beeinträchtigt und schnarchten seelenruhig vor sich hin...Neid macht sich breit...(bevor er wieder abgeschüttelt wird)



Pünktlich zum Sonnenaufgang waren wir in Uyuni angekommen. Ein verschlafenes Nest mitten im wüsten Nirgendwo von Bolivien. Einzige Existenzberechtigung des Örtchens: Salz, Salz, Salz and don´t forget about the Salz...Man fährt mit 30 Tonnern in die nahe Salzwüste und baggert dort im Tagebau Salz…darüber hinaus fährt man mit Geländewagen schaulustige Touristen in die Wüste. Da wir grad keinen 30 Tonner zur Verfügung hatten, nahmen wir den Geländewagen…



Startpunkt der Tour war der „Cementario de los Trenes“ (Zugfriedhof) … für mich natürlich interessant, für die anderen ein Kollateralerlebnis… Zur Sache: früher hatte die Bahn (wie in so vielen Ländern der Welt) einen großen Stellenwert…so auch im Nirgendwo in Bolivien um große Mengen an Gütern über weite Entfernungen zu transportieren…bevor es Straßen (bzw. mit Stöcken abgesteckte Pfade mit weniger großen Steinen) gab…als der Individualverkehr zunahm, stellte man die nicht mehr benötigten Lokomotiven und Wagen einfach etwas weiter draußen vor den Toren der Ortschaft ab und überlies sie ihrem Schicksal… das sieht dann mittlerweile so aus:





 Einführung in die Ferroviate Prähistorie „so und so und so hat das funktioniert…damals“




Man kann auch auf den Wracks herumklettern… insgesamt ein eher trostloser Anblick… zumal auch einige selbsternannte Künstler ihre Spuren hinterlassen haben...




Wer Ahnung von der Materie hat, wird überrascht sein, wie vielfältig damals der Bahnbetrieb gewesen sein muss... der Rest sieht einen Haufen Altmetall...



Unser Fahrer war sehr bemüht, trotz Sprachbarriere viel mit uns zu reden…er erklärte uns die heimische Tierwelt: ein männliches Lama nennt man „Macho“ sobald es mehr als fünf Weibchen zu seinem Harem zählt…Jauch ich komme! Der Trip führte uns dann weiter in die Salzwüste hinein. Das Salz hier ist auch an der Oberfläche so sauber, dass man es direkt essen kann. Das musste man uns nicht zweimal sagen und so testeten wir das mit Chips, die zufällig in unserem Gepäck waren… Prädikat: salzig







Wir fuhren immer weiter in die Salzwüste hinein…an manchen Stellen drängt Grundwasser nach oben, was von den entfernten Bergen abfließt…es verdunstet durch die unbarmherzige Sonneneinstrahlung aber auch schnell wieder, so haben die Pfützen keine Chance, größer zu werden. Sprudelt aber trotzdem ganz nett...







Entstanden ist die Salzwüste, als vor Millionen von Jahren die Südamerikanische Erdplatte auf die Pazifische Erdplatte geprallt ist und die Anden entstanden sind…dadurch wurde dieser Teil des Meeresbodens angehoben und mit der Zeit ist alles Wasser im Becken verdunstet…zurück blieb das Salz…

Bis zum Horizont sieht man nichts als weiß:







Beliebt sind auch Trickfotos, bei denen mit der Perspektive gespielt wird…bei der weiten ebenen Fläche eigentlich kein Problem…wir haben das aber nicht wirklich hinbekommen…




 Andere waren da experimentierfreudiger:




Da damals der komplette Meeresboden angehoben wurde, waren natürlich auch alle Inseln des Gebietes betroffen. Die sogenannte „Kaktusinsel“ ist eine davon. Mitten im grellen weißen Salz taucht sie plötzlich auf…Fels in der Brandung…Fels im Salz... und bevölkert ausschließlich von Kakteen, die höher als zwei Meter sind und teilweise über 1200 Jahre alt…einigen Vögeln und Steinen…









Angesichts der dort bereits vorhandenen Steintürme konnte ich natürlich nicht ohne Hinterlassenschaft bleiben... und die vorhandenen waren jetzt nicht sonderlich hoch...







(Es sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass der orkanähnliche Wind meine Pläne irgendwann doch zum Scheitern verurteilte...da wollte ich wohl zu hoch hinaus...)

Von der Insel ging es dann wieder auf direktem, salzigen Wege zurück in die Stadt...wo auch schon gleich unser Nachtbus zur argentinischen Grenze auf uns wartete… bleibt noch zu erwähnen, dass zumindest unser Fahrer entgegen dem augenscheinlichen Trend zum Verkennen des Potenzials der Landschaft in solchen Ländern für JEDES Stück Plastik (Sonnenbrillen etc) angehalten hat und es eingesammelt hat... es ist halt nicht immer aller Tage Abend was das angeht...

Sehr wohl Abend war für uns - der Bus zur Grenze wartete bereits...


Freitag, 28. November 2014

La Paz - Strudel der Entropie

Achtung: viel Text...es ist viel passiert...


Am Tag nach der Wanderung stand die Fahrt nach La Paz an…höchste Millionen- und Hauptstadt von Bolivien…was hatten wir nicht alles schon an Horrorgeschichten gehört: da wird man am helllichten Tag auf offener Straße wegen Centbeträgen erschossen…kleine Kinder frisst man da und gelegentlich hat man schon Hitler und Mussolini zusammen mit Stalin dort Urlaub machen sehn…



Aber erstmal mussten wir hinkommen um uns selbst ein Bild davon zu machen… und wie sollte es anders sein: wir fuhren mit dem Bus…  auch bei dieser Überlandfahrt sahen wir wieder unendlich viele backsteinrote Rohbauten, semifertige Häuser mit Potenzial für weitere Stockwerke (um es mal euphemistisch auszudrücken) und im Grunde recht viel Müll… auch Autofahren ist in Bolivien ähnlich wie in Peru: Augen zu, Verstand aus, Hupe an und durch…und wenn man gerade Richtung Hauptstadt fährt, sind die Straßen noch verhältnismäßig gut...um nicht zu sagen "existent"...



Überraschenderweise sollten wir noch ein bisher nicht genutztes Verkehrssmittel nutzen: Bootchen fahren war angesagt…Fähre wiederrum für den Bus:



Auf diesen vollkommen vertrauenswürdig anmutenden Fähren (State of the Art versteht sich) wurde der Bus rübergeschippert…







Und hier fährt unser Teufelskerl von Busfahrer wirklich auf die Fähre…







Realistisch betrachtet hätte man erwartet, dass der Bus drauf fährt und direkt samt Fähre absäuft… aber manchmal ist die Realität vollkommen anders und Busse schwimmen… ich bin froh, in dem Universum gewesen zu sein, in dem die Kausalkette nicht meiner Erwartung entsprach (und bin gleichzeitig neugierig, was unsere kleine Reisegruppe in dem Paralleluniversum gemacht hat, in dem der Bus samt Fähre wirklich untergegangen ist…)



Das Ganze sollte laut Busfahrer zehn Minuten dauern…die sich bisher in unseren Köpfen festgefressene Routine sagte uns, dass das dann gleichbedeutend mit „20 Minuten“ ist…so sollte es dann auch kommen…



Wir warteten einfach im Chillmodus am gegenüberliegenden Ufer auf die Anschiffung des Busses: von links nach rechts: (sitzend) meinereiner, ein lebensechtes Double von B., M. und J., (liegend): ein Hund der noch ne Nummer härter gechillt hat…





Nach erfolgreichem Reboarding schraubte sich der Bus noch ein paar Höhenmeter hinauf… abermals durchquerten wir endlose Weiten…schoben sich kleine Dörfchen an unseren Fenstern vorbei und alsbald fanden wir uns in El Alto wieder… einst ein Teil von La Paz, nun eigenständig und zählt … nun ja… man weiß es nicht genau…jeden Tag strömen Scharen von Tagelöhnern hinzu… vorsichtige Schätzungen gehen von 900.000 Einwohnern aus… für chinesische Verhältnisse noch ein Dorf… klar… aber im Grunde ein Ameisenhaufen… ein ziemlich dreckiger noch dazu… alle paar Meter versuchen Menschen, ihr mühsam angebautes Obst und Gemüse zu verkaufen…die Straße hatte für beide Richtungen zwei Spuren…gefahren wurde auf fünf je Richtung… es dauerte ein wenig und schließlich öffnete sich das Loch hinterm Horizont: La Paz!








Die Stadt wurde tief unten im Tal gegründet, im Laufe der Zeit hat der ungebremste Zuzug dazu geführt, dass sämtliche Hänge –größtenteils wild- bebaut wurden…und diese Hänge erheben sich bis zu 1000m über den Stadtkern… und als sich der Bus anschickte, vom Rand dieses Kraters hinab in das wuselnde, magmatische Innere abzutauchen (man…heut bin ich aber metaphorisch…), stieg der Drang zum Druckausgleich und die Neugier gleichermaßen an…



Wir hatten Dank einer Empfehlung ein Hostel in einem angeblich sicheren Viertel bekommen…direkt an einer Seilbahnstation…







Seilbahn? Yepp! Um dem Verkehrskollaps Herr zu werden, hat man vor zwei Jahren angefangen, Seilbahnen zu bauen (gute österreichische Qualität wie man uns später nach Erfahren unserer Herkunft versicherte)



Der günstige Fahrpreis von 3 Bolivianos konnte uns nicht ansatzweise zögern lassen…wir mussten die Stadt einfach von oben sehen…







...was natürlich auch nicht immer nur schöne Aussichten bescherte...aber immerhin einen ehrlichen Blick garantierte...




Hier hat George Lucas beim Erdenken seines Stadtplaneten Coruscant sicherlich Einiges an Inspiration hergeholt…







Es ist schwer zu fassen: von einer Seite zur anderen Seite erstreckt sich vom Horizont nach unten diese Stadt… wir sind später wieder im Dunkeln die Strecke abgegondelt… von oben liegt dieses Meer aus Lichtern so ruhig unter einem…fast schon friedlich…



Wenn man aber mittendrin ist…und nur versucht, bei „grün“ (für Fußgänger versteht sich) die Straße zu überqueren, der wird schnell von der Gravitation der Realität auf den Boden der Tatsächlichkeit zurückgeholt…CHAOS!



Zwei Fahrspuren eingezeichnet, effektiv genutzt werden 17…ein Hupkonzert, das Seinesgleichen sucht…und in gewisser Weise die gelebte Rechtfertigung für das Durchsetzen von Straßenverkehrsordnungen in westlichen Ländern...



Ein Grundsatz im Universum ist, dass die Entropie (Unordnung) nur zunehmen kann (so kann beispielsweise eine Tasse zu Boden fallen und zerbrechen -> mehr Unordnung…aber nicht wieder so fallen, dass sie sich von selbst wieder zusammensetzen würde)   

95% der Unordnung im Universum kommt aus La Paz....mindestens...

Und wie bereits erwähnt: wir haben all unseren Mut zusammen genommen und sind auch im Dunkeln raus... und was ist passiert? NIX

Donnerstag, 27. November 2014

Die Vögelein, die Vögelein vom Titicacasee



…die wollten sich nicht so recht beim Baden beobachten lassen…all unser voyeuristisches Geschick war nicht ausreichend… so bleibt der Beweis der These des Schwänzchen-in-die-Höhe-strecken von unserer Seite vorerst noch aus…



Wir konzentrierten uns an unserem zweiten Tag in Copacabana auf eine kleine Wanderung zur Isla del Sol…nach Überlieferungen der Inka hat dort der Schöpfergott zwei Kreaturen auf die Erde gesetzt … Auftrag: ziehet aus und macht euch die Welt Untertan… kommt einem irgendwie bekannt vor… und dass die Inka diesen Plan nicht ganz zuende gebracht haben, sollte auch hinlänglich bekannt sein…



Die geplante Strecke beträgt laut Reiseführer gute 18 km…genug für uns, um es an einem Tag zu reißen…(fast) immer am Ufer des Titicacasee entlang…



Wäre man nicht in 3800m Höhe – man könnte denken, man stünde am Strand eines Meeres: bis zum Horizont reckt sich der See:









Ohne viele Worte nun ein paar Eindrücke der Strecke:





Kirche UND Basketball: Gott führt bei jedem Dreier die Hand (und ja, die Doppeldeutigkeit ist bewusst ;-) )…

Man erkennt hier durchaus vulkanischen Ursprung...


auch hier gab es wieder einfachste Behausungen, die wahrscheinlich immer nur dann erweitert wurden, wenn gerade Bedarf bestand...und genauso schnell wurde bei Überangebot an Wohnraum dieser wieder dem Verfall preis gegeben... wie überall in der Gegend freut man sich über eine Geste des Grußes...auch wenn der touristische Wanderer (siehe unten) nassgeschwitzt die Hand hebt und "Hola" ruft, ist das Echo um ein vielfachtes lauter und die "gute Reise" Wünsche vielfältig...




ein Haustierchen...und Rasenmäher...
 
..."durch diese hohle Gasse muss er kommen"


Wir wanderten stramme 18km bis zur Spitze der Landzunge, die sich auf dem Foto von rechts unten in die Karte erstreckt. Darüber liegt die Isla del Sol... Eigentlich -so dachten wir- finden wir ein lebhaftes Dorf am Ende des Weges....welches vor Leben nur so strotzt... Fehlanzeige...10 Häuser vielleicht...48 Fischersleute, die uns mit sich gegenseitige unterbietenden Preisen für die Überfahrt nervten...sonst nichts..

Überfahrten hat man uns zur Genüge angeboten (um nicht zu sagen "aufgedrängt") aber wir wollten es an diesem Tag dabei belassen...

Übrigens:

Fußball wurde auch gespielt…das ganze Dort war außer sich vor Spannung … Seitenaus war nicht existent…berührt der Ball den Zaun: Pfiff…fliegt er drüber: entweder klettert einer hinterher oder es gibt nen Ersatzball… aber sicherlich läuft hier auch alles konform zum internationalen FIFA Regelwerk ab… und damit meine ich ausdrücklich NICHT Schmiergelder… 





Den Rückweg haben wir wieder in einem Minibus zurückgelegt… Preise in Bolivien sind sehr volatil…bei Verhandlung über den Fahrpreis wollte der Fahrer noch 30 Bolivianos…nach Ankunft in Copacabana ist der Preis allerdings um 5 gestiegen… ok…mit den Touris kann man es ja machen… ;-)

Fazit: die Landschaft und die Orte um diese Strecke sind größtenteils unberührt und der Anblick von Ausländern ist immernoch ungewohnt für die Einheimischen...die anfängliche Verwunderung wird schnell von Neugier überwunden...die Freundlichkeit überwiegt...landschaftlich ist der Abschnitt eine Augenweide...

Sonntag, 23. November 2014

Clownauto


Die relativ kurze Fahrt von Puno nach Copacabana werden wir in einem sogenannten „Minibus“ zurücklegen. Diese Fahrzeuge sind handelsübliche Minibusse, wie sie in Deutschland für 8 Personen incl. Fahrer und noch einem Kofferraum ebenfalls vorkommen… In Peru allerdings sind diese Fahrzeuge für 16 Personen ausgelegt und mit an Bord sind oft wesentlich mehr…Effizienzprobleme sind für die Fahrer ein Fremdwort… Das Gepäck wird auf dem Dach verstaut und was auf den Schoß passt, wird dort gelagert…Tetris lässt grüßen...





Sitzanordnung in Standardfall: 3 – 3 – 3 – 3 – 4

In Stoßzeiten kann in jeder Reihe noch mindestens einer dazu und wenn kein Gepäck auf dem Dach liegt, dann liegen da auch noch en paar Fahrgäste rum…Cabriofeeling ohne Aufpreis… und das Peeling durch die staubigen Pisten ist ebenfalls mit drin…



So sieht das ganze dann von der letzten Bank aus (da wo auch früher schon immer die coolen gehockt haben…)







Dass wir mit dem Minibus wirklich bis Copacabana gefahren sind, stimmt nicht ganz: Copacabana selbst liegt bereits in Bolivien…so hieß es für uns „Adios Peru“ und „Bienvenidos Bolivia“. Der Fahrer hat uns bis fast an die Grenze gebracht, von da aus mussten wir zu Fuß weiter. Die Grenze sieht eigentlich recht einladend aus - kein Vergleich zu Nordkorea oder so...







Hier sind wir gerade auf dem Weg in die Kasernen…erst in die vordere, um sich aus Peru abzumelden, danach ging es in die hintere…dort wurden wir offiziell ausgestempelt…bis zum Erreichen der bolivianischen Kaserne auf der anderen Seite des Tores waren wir somit nirgends registriert…im Niemandsland…aber wir hatten Essen und Trinken dabei… und nach dem gleichen Procedere in Bolivien sollten wir noch den Passierschein A38 besorgen…







Die Beamten auf bolivianischer Seite waren recht gelangweilt von ihrem Job…der Kollege, der mich abgefertigt hat, hat beim Vergleich von Passfoto zu lebendem Objekt kurz gestutzt, dann noch etwas genervt eine freie Stelle für den Stempel gesucht…schon war ich offiziell eingereist…Kurz nach der Grenze heuerten wir einen der dort wartenden Taxifahrer an, der uns die letzten paar km bis nach Copacabana gefahren hat…



Unser Domizil im Ort lag auf einer kleinen Anhöhe mit idealem Seeblick…weiträumiger Gartenanlage und jeder Menge Wohlfühlequipment:




(B. hatte im Hintergrund kleine Koordinations- und Gleichgewichtsprobleme…)






Der Ort selbst liegt direkt am Titicacasee…schön in den Hang hineingebaut..,







Auch hier setzt sich der aus Peru bekannte Eindruck fort: viele unverputzte Backsteinbauten, meist zwei Stockwerke fertiggestellt, darüber dann der unvollendete Ansatz eines weiteren Stockwerkes…oft notdürftig mit Planen abgedeckt – aber Satschüsseln… notdürftige Baustellen…alles was brauchbar erscheint, wird genutzt







Und zwischendrin kleine Inseln der Ordnung, dort wo das Leben grünt, meist eine Statue sich gen Himmel reckt und eine Kirche dem ganzen den finalen sakralen Touch gibt






Wir haben uns dann direkt noch ein kleines Polster an Landeswährung besorgt…“Polster“ im wahrsten Sinne des Wortes: Abheben von etwa 75 Euro und der Automat rattert gefühlte drei Minuten nur Scheine zusammen… Geldregen…



Den restlichen Abend verbrachten wir damit, den neu erworbenen Reichtum gönnerhaft unter die lokale Bevölkerung zu bringen…natürlich im Austausch gegen Waren…



Und der Himmel leuchtet, als die Sonne im Titicacasee versinkt:







Den weiteren Abend haben wir mit erst mit den schlechtesten Cocktails der Welt und dann mit der wahrscheinlich unvorbereitetsten Kneipe der Welt verbracht:



Zu ersterem bleibt nicht viel zu sagen…außer: meidet die Kneipe mit Dachterasse am Hafen…zu zweiterem: nach ersterem sind wir in eine Kneipe geflüchtet, die mit Livemusik geworben hatte…klingt immer gut… so nutzten wir auch die Happy Hour und bestellten Cuba Libre (Rum, Cola, Zitrone) und eine Champignonsuppe (Champignons und Suppe) gegen den kleinen Hunger… zwei Minuten nach unserer Bestellung rannte der Küchengehilfe aufgeregt aus der Kneipe in den Supermarkt gegenüber und kam dann kurz darauf mit drei Flaschen Coca Cola zurück… weitere Minuten später rannte er wieder los und kam – man ahnt es fast – mit einer Packung Pilzen zurück…Die versprochene Livemusik war nach zwei Liedern zuende…der Protagonist war übrigens ein ehemaliger Soldat bei den US Streitkräften und kannte Deutschland… „Good beer und schnelles Autofahren“ … daran konnte er sich noch erinnern… und wir wurden mit Handschlag begrüßt…



Kurz zu Bolivien: Die Sozialisten sind an der Macht, MC Donalds gibt es nicht mehr … andere Großkonzerne, allen voran Coke mit den historisch anmutenden Fläschchen aus den 70ern und sicherlich vielen bei uns verbannten Inhaltsstoffen in Fanta und Sprite halten sich noch… Google warnt esplizit vor Reisen in dieses Land… und ein Zimmergenosse in Peru hat uns erzählt, dass sich dort viele krasse Geschichten zutragen… er sollte nicht ganz unrecht behalten…



(uh…Spannung ;-) )