Freitag, 14. November 2014

Cusco - Bergsteigen für Anfänger

…aber bevor wir das machen, wollten wir noch die Tickets für den Zug nach Machu Picchu besorgen. Perurail, die staatliche Bahngesellschaft, bedient mehrere Strecken im Land, unter anderem Cusco – Machu Picchu und Cusco - Puno. Die Bahnverbindung nach Machu Picchu –besser: nach Aguas Calientes- ist die bequemste Art dorthin zu kommen.

Der Ticketverkauf gestaltete sich unproblematisch und wir wurden anschließend noch Zeugen einer indigenen Tanzveranstaltung auf dem „Plaza de Armas“ (Waffenplatz – in Südamerika ist man irgendwie sehr verbunden mit Kanonen und Zeugs…in jeder Stadt gibts mindestens einen dieser Plätze)


Bei besagter Tanzveranstaltung zeigten verschiedene, in einheimischer Tracht gekleidete Tänzerinnen und Tänzer wie man in Peru feiert…traditionell…urig und authentisch…


 
 



Einzig und allein die Anwesenheit von Paulchen Panther konnten wir nicht wirklich einordnen…aber die Geschichte der Inka ist bekanntermaßen bis heute nicht 100% bekannt.



Wir schauten uns noch ein paar Ecken der Stadt an, bevor wir uns aufmachten, einen Hügel zu erklimmen, um eine bessere Aussicht auf die Stadt zu erhalten.



  




Der Aufstieg auf den Hügel erfolgte durch kleine Gassen mit vielen Treppen…hier merkte man zum ersten Mal, dass man in 3400m Höhe ein bisschen weniger Sauerstoff in die Luft mischt und der Puls war recht schnell erhöht.







Nach einer Weile fanden wir uns auf einer Straße wieder, die uns serpentinenartig nach oben führte. Die Aussicht entschädigte für die Strapazen:











Irgendwie geht es runter immer einfacher als hoch und fast schon leichtfüßig machten wir uns nach einer kurzen Rast wieder ins Tal zurück.



Etwa auf halber Höhe steht eine der 16 Kirchen von Cusco, dort kam es zur ersten Kontaktaufnahme mit der heimischen Tierwelt:






Das Lama war weniger begeistert von meiner Anwesenheit und so einigten wir uns stillschweigend auf gegenseitige Akzeptanz…



Der restliche Abstieg (bei den Straßenverhältnissen der adäquate Ausdruck) ging auch recht flott voran:





Für den weiteren Tag nahmen wir uns einen der lokalen Märkte vor. Eigentlich hätten wir auch mit dem Bus hinfahren können, nur hat sich uns das hiesige Bussystem in seiner Komplexität noch nicht ganz eröffnet: es gibt scheinbar ein System aus Linien und jede Linie hat ihre eigene Farbe am Bus. Wann immer aber so ein Bus angefahren kommt, kann man nie genau sagen, ob er an der Bushaltestelle hält, 10m davor oder 50m dahinter. Was aber immer gleich ist: ein nervöses Gehupe, der Bus rollt an, die Schaffner schreien die Haltestellen, 10 Leute springen raus, der Bus ist immer noch voll, 15 springen rein, (wohlgemerkt: der Bus steht noch nicht) Münzen und Scheine fliegen…der Bus beschleunigt wieder und ist weg. Das Procedere erinnert ein wenig an eine Entführung, scheint aber zu funktionieren.



Aber bisher sind wir noch immer gut zu Fuß gewesen.



Die Markthalle erfüllt alle Klischeevorstellungen, die man so hat: unzählige Obstsorten, diverse Gewürze, alles sackweise zu erwerben, ein Fest für die Nase…bis man der Fleisch-und Fischabteilung näher kommt. Zusätzlich dazu gibt es noch den typischem Markt für Krimskrams aller Art: Klamotten, Werkzeuge, Elektronik, Ersatzteile für Autos und Motorräder.





 


Zum Schluss noch drei Szenen aus dem Alltag:

Während wir im Markttrubel unsere Zeit vertrieben, tobte draußen ein Gewitter...und wie wir alle mal gelernt haben: bei Gewitter besser nicht der höchste Punkt der Umgebung sein und Metall möglichst meiden... aber in Peru scheinen andere Gesetze zu gelten: 



Der Peruaner ansich hält nicht viel von Verkehrsregeln (was bisher auch aus den Berichten durchgesickert sein könnte) … so kommt es, dass in engen Gassen (wo ausnahmsweise mal wirklich nur eine Spur befahrbar ist) regelmäßig folgende Situationen entstehen: 

 

aus beiden Richtungen fahren Fahrzeuge in die Gasse ein, irgendwann treffen sie logischerweise aufeinander. Es folgt das bekannte „Achtung“ Hupen (von beiden Parteien) und dann bleiben beide stehen, schauen sich regungslos an und warten…nichts passiert…irgendwann setzt sich der Fahrer des größeren Fahrzeuges dann doch durch und drängt den kleineren nach hinten…in der Zwischenzeit gesellen sich aber noch weitere Fahrzeuge hinzu und das Chaos ist perfekt wenn noch ein Motorradfahrer versucht, sich durchzudrängeln. Hupen ohne Ende, temperamentvolles Fluchen und Diskutieren…irgendwie klappts am Ende aber doch…



Für den kleinen Hunger zwischendurch: Puppe im Teigmantel…






So richtig verstanden hab ich das nicht…(und nein: gekauft auch nicht) und entlasse den geneigten Leser mit dem Foto in die Nacht (oder Tag…oder so)

Bergsteigen für Fortgeschrittene folgt dann in Machu Picchu ;-) 

Montag, 10. November 2014

Cusco - Altitude, baby!



Prinzipiell ist es für einen Piloten nicht sonderlich schwer, von Lima nach Cusco zu fliegen. Kurz nach erreichen der Reiseflughöhe (sowohl zeitlich wie auch von der Höhe) ist das Ziel erreicht und der „Landeanflug“ kann beginnen. Die Tatsache, dass die Anden unterwegs noch den Weg ein wenig versperren, macht den Landeanflug recht interessant: rechts – links – rechts – laaaaaange Linkskurve… und das alles im Sinkflug…ein offenes Getränk wollte ich dabei nicht in der Hand halten...

Unser Pilot hatte seinen Pilotenschein zurecht bekommen und brachte uns sicher ans Ziel. Seitens des Hostels hat man uns ein Taxi bestellt, welches am Ausgang warten sollte. Zu unserer Überraschung hat ein gewisser „Sascha Sei“ die Buchung vorgenommen:





Der Taxifahrer war trotz der kleinen namentlichen Diskrepanz bereit, uns mitzunehmen. Eigentlich sollten wir den Fahrstil kennen, aber in Cusco wurde gegenüber der Taxifahrt in Lima noch die ein oder andere Schippe Abenteuer draufgelegt: In Cusco hat derjenige Vorfahrt, der am wenigsten zögert. Beim Abbiegen wird prinzipiell nur dann angehalten, wenn das gegnerische Fahrzeug schon auf gleicher Höhe ist - Reaktionszeit halt…alles über 3m Abstand gilt als „machbar“. Aus dem Fenster gehaltene Hände ersetzen Blinker und vor jeder Kreuzung erfolgt ein kurzes, prophylaktisches „Achtungshupen“ um eventuell aus einer Seitenstraße schießende Autofahrer zu warnen. Gebremst wird trotzdem nicht, sondern mit unverminderter Geschwindigkeit weitergefahren. Wenn das alle so machen, frag ich mich, wie das gut geht… egal – nicht drüber nachdenken…es ist gut gegangen…auch wenn nun in diesem Taxi das Bodenblech auf der Beifahrerseite nun etwas näher an der Straße ist…



Unser Hostel ist (wie viele andere Gebäude in Cusco auch) im Kolonialstil gehalten und besitzt einen geräumigen Innenhof wo es sich in der Sonne prima aushalten lässt. Kicker und Tischtennis sind ebenfalls vorhanden.









Cusco selbst liegt auf etwa 3400m über dem Meeresspiegel und die Luft ist hier ein bisschen dünner als in den von uns bewohnten Ecken… Es gibt Leute, die in dieser Höhe an der sogenannten „Höhenkrankheit“ leiden. Das äußert sich in Kurzatmigkeit, Schwindel, Übelkeit und dem Drang, einmal eingenommenes Essen wieder zu veräußern. Glücklicherweise macht mir die Höhe nichts aus, meine Mitreisenden sind auch größtenteils unbeschwert, so dass dieser Punkt uns keine Sorgen bereiten sollte.



Eines unserer ersten Ziele des Tages war das Kulturinstitut von Peru. Die Adresse konnten wir herausfinden, allerdings entspricht das Hausnummernsystem in Cusco nicht dem in Deutschland bekannten System der aufeinander folgenden Nummerierung, sondern es geht nach Blöcken und innerhalb eines Blocks einmal rundherum…das wussten wir aber nicht…



Nach 30 Minuten unheimlich männlichem, eigenständigen Suchens und einer kurzen Nachfrage bei einem netten Einheimischen hatten wir besagtes Institut auch gefunden…es liegt ziemlich unrepräsentativ in einer Seitengasse. Dort wollten wir Eintrittskarten zu Macchu Picchu erwerben. Dumm nur, dass man dazu die Pässe braucht…und die lagen (zumindest bei allen außer J.) – imaginärer Tusch - sicher im Schließfach im Hostel.



Da wir nun wussten, wo wir hin mussten, sind wir schnell zurück, haben die Pässe geholt und die heiß ersehnten Eintrittskarten besorgt.



Den Rest des Tages haben wir uns noch ein wenig die wuseligen Gassen von Cusco angeschaut und den folgenden Tag geplant:






 




Der Folgetag wird genutzt, um die ebenfalls obligatorischen Zugtickets nach Macchu Picchu zu besorgen und um mal auf einen der umliegenden Hügel zu gehen und sich die ansprechende Lage der Stadt mal im Panorama anzuschauen...








Samstag, 8. November 2014

Miraflores - Perle von Lima



Die im letzten Teil angesprochene Straße führte uns direkt zum Strand. 


Sie war für Autos gesperrt, weil sie direkt in einer Baustelle endete. Diesen Umstand nutzen ein paar Skater, um dort ihre Skills zu trainieren…der ein oder andere hat sich seine Jeans an manchen Stellen gut strapaziert … aber was solls – aus Fehlern lernt man…

Am Strand genossen wir dann erstmal die Aussicht auf den Pazifik und das maritime Setting aus tosender Brandung, Möwen und angenehmer Brise. 



Der Küstenstreifen, den wir vorfanden, war geprägt von reger Bautätigkeit: um den Strand schöner zu machen, hat man den Steilhängen gute 20m abgerungen und baut dort eine neue Straße samt neuer Strandpromenade. Eigentlich sollte der Sonntag in eine katholisch geprägten Land heilig und arbeitsfrei sein…offensichtlich nicht in Peru: auf dem Bild links ein LKW mit Tank, welcher rückwärts auf dem unbefestigten Boden fuhr, der bald mal eine Straße sein wird. Oben auf besagtem LKW stand ein Arbeiter, der mit einem Wasserschlauch den Boden wässerte. Diese Aktion würde Sinn machen, wenn danach Arbeitsgänge folgten, die für viel Staub sorgen würden…aber es passierte nichts danach…NICHTS…



Nach etwa einer Stunde am Strand beschlossen wir, wieder den Weg hinauf in Angriff zu nehmen. Der Weg führte uns über einen eher weniger offiziell angelegten Pfad wieder auf das Plateau über der Steilküste und dort war die Aussicht aufs Meer wirklich sehr gut


Der Park dort war rege besucht und Einheimische wie auch Touristen tummelten sich dort und genossen die Sonne. (sieht man im Foto jetzt zwar nicht, aber war so...)



Um uns zu stärken, nahmen wir einen kleinen Snack in einem Cafe ein, welches äußerst exponiert direkt an der Klippe lag…was zu essen, ein kaltes Getränk und eine klasse Aussicht – eine perfekte Pause. Und hier soll es das beste Bier der Welt geben...




Unser Heimweg / unsere Erkundungstour durch Miraflores führte uns vorbei an verschiedenen Hochhäusern, grünen Wiesen, monumentalen Springbrunnen und manchmal auch zu Kombinationen der genannten Dinge:



Später am Abend wollten wir uns den Sonnenuntergang anschauen, und begaben uns an ein Aussichtsplateau. Dort war ein riesiger Spielplatz eingerichtet und die einheimischen Kleinkinder beäugten uns neugierig. Bärtige Weiße sind hier scheinbar nicht jeden Tag. Und dann gleich drei auf einmal…und ein unrasierter halt...



Es gab auch viele Paraglider, die die Windsituation zu ihrem Vorteil nutzten:



Die Spannung steigt:


Und da isser endlich:




Und damit auch jeder weiß, wer die sakralen Hosen anhat, hat man ein riesiges leuchtendes Kreuz an den Strand gebaut…das jedem Kapitän auf See zwei Dinge mitteilen soll: 1) Gott beschützt dich und 2) er kann aber nicht mehr viel für dich tun, wenn du weiter auf das Kreuz zusteuerst...





Und mit diesem Bild verabschieden wir uns aus Lima. Den letzten Abend dort haben wir bei einem Tee auf der Dachterrasse verbracht, morgens um 9:45 wartete unser Taxifahrer, der uns in bekannter Manier (wir fahren wo Platz ist, Tempolimit 60 bedeutet nicht, dass man nicht auch mit 130 fahren kann und wer am lautesten hupt, gewinnt) zum Flughafen gebracht hat. Ein kleiner Zwischenfall ereignete sich dann doch noch: B. wollte Feuerzeuge schmuggeln und hat es fertig gebracht, dass sein Rucksack mit dem Namensschild von J. versehen wurde, der dann ausgerufen wurde, und unter strenger Aufsicht des Sicherheitspersonals die Feuerzeuge suchen musste… 

12:00 rum startete der Flieger mit uns und ohne Feuerzeuge zur alten Hauptstadt der Inka… davon bald mehr








Dienstag, 4. November 2014

Anreise und erste Eindrücke

Und ich habe ein Deja-Vu: für die nächsten Tage ist bestes Wetter gemeldet, sensationelle 18 (in Worten "achtzehn") Grad und Sonne an einem 1. November. Was mache ich? Ich packe meinen Rucksack (ok, eigentlich zwei davon) und begebe mich wieder zu einem Flughafen und lasse mich zu einem Ort fliegen, an dem es weit weniger angenehm ist...was zumindest der Wetterbericht einen glauben lassen möchte. Ähnlich war es letztes Jahr im Sommer mit Island. Nun lautet das Ziel "Lima"...Wetter bisher: 15 Grad und durchwachsen...ein typischer Frühlingsstart auf der Südhalbkugel...Vor mir: 8500 km von Westen nach Osten, zusammen mit J. (bekannt aus Island) sowie den beiden weiteren Mitstreitern B. und M. (es lebe der Datenschutz...) Zusammen schlagen wir uns durch diverse Länder und wollen natürlich auch möglichst viel erleben...

Der Hinflug sah wie folgt aus: 10 Stunden Flug von Bembelhausen bis nach Bogota...natürlich waren auch dieses Mal wieder Eltern mit quasi neugeborenen Babys an Bord (eigentlich hätte die Maschine am Heck lauter Aufkleber gebraucht mit "Julio an Bord" oder "Felipe an Bord") Diese haben natürlich während dieser Zeit auch lautstark auf sich aufmerksam gemacht ...Faktencheck Lufthansa: Essen ausbaufähig, Getränke vorhanden...soviel dazu...Anflug Bogota: Das Infosystem meldet etwa noch 3000m Höhe und schon rumpelt das Flugzeug auf der Landebahn...ist doch etwas höher als Mainz...Dort hatten wir letztendlich 9 Stunden Aufenthalt...ziemlich viel, wenn man platt, müde und hungrig ist...Irgendwann ebbt auch hier der Besucherstrom ab und man kann sich auf einer Bank breit machen:


Wirklich viel geschlafen hatte ich nicht, J. nebenan war da schon wesentlich tiefer in die Traumwelt abgestiegen ... es folgte ein noch etwa vierstündiger Flug nach Lima, wo wir problemlos einreisen konnten und mittels vorher geordertem Taxifahrer kamen wir auch direkt zum Hostel. Und ich bin ehrlich: ich fahre gerne Auto, auch in fremden Ländern...einfach nur des Abenteuerfaktors wegen....ABER: ich hätte mich nicht nach einer so langen, relativ schlaflosen Zeit, an das Steuer eines Autos setzen können und den Straßenverkehr in einer normalen südamerikanischen Stadt über mich ergehen lassen können. Ich weiß nicht, ob es dort überhaupt Straßenverkehrsregeln gibt, aber wenn, dann dienen sie maximal der groben Orientierung als dass einer ihnen groß Beachtung schenken würde...selbst im Beisein einer der vielen Ordnungshüter wird gefahren, wo Platz ist. Wenn drei Autos nebeneinander passen, dann wird dreispurig gefahren...egal wie breit die Straße ist...

Zum Hostel selbst:

Das Pariwana Hostel hatte bei verschiedenen Reiseportalen Bestnoten bekommen, und so dachten wir uns „warum nicht?“ und buchten uns dort ein. Wir sollten nicht enttäuscht werden: Zimmer sauber, Personal freundlich und Frühstück inbegriffen. Das Highlight und Zentrum des sozialen Treibens: die Dachterrasse: 



dort gab es eine Bar, diverse Betätigungsmöglichkeiten und mehrere Sitzecken…

Trotz wenig Schlaf machen wir uns bald auf in die Stadt…bzw in den Stadtteil „Miraflores“, in dem das Hostel liegt. Die Wolkendecke riss auf und die Sonne lachte und die Temperaturen stiegen schnell auf gute 25 Grad...Wir wollten direkt zum Meer und folgten einer Straße, die streckenweise doch sehr steil zur Küste führte:





Soviel zu den ersten Eindrücken...mehr hochladen gibt aktuell die hiesige Internetverbindung nicht her...mehr von Miraflores und dem Strand gibts hoffentlich bald!




Dienstag, 8. Oktober 2013

endir ástæðum

...Ende Gelände...

ein letzter Eintrag zum Abschluss:

nachdem wir heil und ohne Blessuren aus Myvatn abgereist sind, legten wir noch eine Nacht in Akureyri ein...da wir dort schon fast die komplette Stadt erkundet hatten, entschlossen wir uns, ins Kino zu gehen...Kino bedeutet dort OmU (Original mit Untertitel) und ich war fast mehr damit beschäftigt, mich über die Untertitel zu amüsieren als auf die Handlung des Films zu achten... 

Tags darauf ging es dann wieder mit dem Bus zurück nach Reykjavik...dort hatten wir aber auch schon die ein oder andere Nacht verbracht und die Lösung des "Wo bleiben wir heut Nacht?" Problems lag einige Kilometer weiter im Süden: Grindavik

Eine kleine Hafenstadt und früher wichtiges Fischfangzentrum... "früher" war eigentlich alles in Island irgendwann einmal Zentrum für irgendwas... "Zentrum für Krabbenfischen", "Zentrum für kleine Fische", "Zentrum für große Fische" ... 

aber all das war einmal... entsprechend trostlos sieht es am Hafen aus:


der Campingplatz war recht nahe am Hafen, gut geschützt von einem kleinen Wall und das Gras war weich und grün... dort hatten wir auch einen äußerst freundlichen Camp-Wirt, welcher bei allen Problemen vor der Abreise mit Rat und Tat zur Seite stand... dazu gehören Dinge wie "Ticket herunterladen und ausdrucken" ... also wer irgendwann mal in Grindavik sein sollte: nettes Ambiente und tolles Personal an diesem Campingplatz:




als sich am Abend die Sonne doch noch ein wenig zeigte, machen wir unseren Abendspaziergang am Hafen weiter...viele Schiffe liegen nicht mehr vor Anker...


 etwas vorgelagert gibt es einen Leuchtturm, zu dem ein Pfad führt... dieser Pfad ist gesäumt von Schiffswracks, die einen (minimal) subtilen Hinweis darauf geben sollen, wie wichtig Leuchtturm und Seenotrettungsdienst für die Schifffahrt vor Ort sind... jede Gedenktafel erzählt eine individuelle Geschichte, listet Anzahl der Opfer auf und was sie alle gemeinsam haben: die Geschichte endet in etwa immer gleich: seit der Inbetriebnahme des Leuchtturms und der Stationierung des Seenotrettungsdienstes gab es ein vergleichbares Unglück nicht mehr und niemand kam seit dem ums Leben durch ein Schiffsunglück...hier mal zwei Wracks zur Ansicht, die Wucht und Kraft des Meeres wird hier zum Anfassen dargestellt:



 hier ein Foto des Leuchtturms: nicht besonders groß, dafür scheinbar effektiv: im Bilde auch J. der ein Foto von selbigem von ganz nah dran macht...


die Nacht war kurz und am nächsten Morgen standen wir wieder früh auf und wanderten zur Blauen Lagune...ähnlich dem Naturbad in Myvatn, nur größer und touristischer... auf dem Weg dorthin kamen wir auch verdamt nah an eine US-amerikanische Abhörstation heran...im Bild hier nur die Sendemasten, die sich unter dem Deckmäntelchen der NATO in den Himmel recken... trotz des Fotos kamen keine unauffälligen Lieferwagen oder Männer in schwarz die mich abgeführen wollten... langweilige neue Welt... wahrscheinlich wussten die Mitarbeiter vor Ort schon lange vor unserer Ankunft über alles Bescheid... die eigentliche Basis liegt einige Kilometer weiter Richtung Horizont...gut versteckt vor neugierigen Augen und Objektiven...



an anderer Stelle hatte ich bereits Flora und Fauna erwähnt, hier nochmal zwei Bilder die zeigen, wie dicht das Moos über alle Steine der Gegend wächst. Lavaboden bietet hier die ideale Grundlage und da es kaum andere Pflanzen gibt, hindert nichts und niemand das Moos an der Verbreitung.


es fühlt sich übrigens auch so weich an wie es aussieht...nur muss man vorsichtig sein: darauf herumlaufen sollte man vermeiden, denn von der Oberfläche abgelöstes Moos stirbt ab und bis die Fläche wieder zugewachsen ist, kann es bis zu 100 Jahre dauern...(so mancher Fakt einer Infotafel bleibt verdammt lang hängen...)


nach einer guten Stunde Fußmarsch sahen wir von weitem wieder das nächste Geothermiekraftwerk...dort lag auch die blaue Lagune...


das Prinzip der blauen Lagune ist ähnlich dem des Naturbades in Myvatn: Wasser aus großer Tiefe mit großer Hitze welches durch großen Druck von selbst nach oben sprudelt sobald man in großer Tiefe bohrt wird in einem Krater gesammelt...die Minerale und sonstigen Elemente  des Wassers sind selbstverständlich einzigartig, kommen nur an dieser einen Stelle vor und sind natürlich auch gut für die Haut und den Rest des Körpers auch... kleiner Unterschied zu Myvatn: in der blauen Lagune landet prinzipiell jeder einmal, der einen Stopover in Reykjavik hat oder generell auf seinen Flug wartet... das merkt man vor allem an der gegen 11 Uhr rasant steigenden Anzahl an Besuchern...

Das Wasser ist knapp 40°C warm, an manchen Stellen wärmer, an anderen kälter...je nachdem wie weit man von der nächsten Einlassöffnung entfernt ist... grimmige Securities wachen über das Geschehen und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rennen mit Ipads umher und fotografieren die Gäste... 


am Ufer stehen diverse Eimer mit Schlamm, den man sich auf die Haut und vor allem ins Gesicht schmieren soll...dies macht angeblich eine besonders straffe Haut...  der Vorteil an der Sache: man entgeht einem Sonnenbrand...denn auch wenn wie hier auf den Fotos der Himmel eher bedeckt ist, stellt man doch leichte Rötungen auf den Schultern fest wenn man den ganzen Tag im Wasser liegt... (und nein...es kam nicht vom Wasser selbst...)


nach fünf Stunden treiben lassen, saunieren, entspannen und schwimmen hatten wir dann genug und sind zurück zum Campingplatz gewandert... da der Bus uns recht früh wieder aus Grindavik chauffierte, waren wir am gleichen Abend noch frischen Fisch essen...der Flughafen liegt etwas außerhalb von Reykjavik in Reykjanesbær, dort gibt es ein kleines Lokal namens "Cafe Duus"...es wurde uns vom einheimischen Busfahrer empfohlen und er hatte nicht übertrieben: äußerst leckerer, fangfrischer Fisch! (es könnte zu einem klitzekleinen Anteil auch daran gelegen haben, dass ich die 12 Tage vorher nur Nudeln aus Tüten zu mir genommen hatte und ... aber der Fisch war wirklich lecker...)

die letzten beiden Kilometer zum Flughafen legten wir dann wieder zu Fuß zurück und kamen in dichtem Nebel schließlich heil an... durch fehlende Fluggäste verzögerte sich meine Abreise um gut 40 Minuten... gegen 23:55 hob die Maschine ab und um 6:00 am nächsten Morgen hatte ich dann wieder deutschen Boden unter den Füßen...

Fazit: ohne Knieschmerzen wäre der Urlaub noch wesentlich besser gewesen... alle vier Jahreszeiten in zwei Wochen...das ist ein Erlebnis... 12 Tage Camping und Schlafen auf dem Boden und keine Rückenschmerzen: top!
Landschaft: top!
Menschen: freundlich aber distanziert!

die Urlaubsplanung für 2014 beginnt bald...